Blogs von Frauen für Frauen - was steckt dahinter?

Blogs von Frauen für Frauen – was steckt dahinter?

Ich surfe letztens ganz zwanglos durch das Internet und treffe dabei unerwartet auch auf Blogs von Frauen, die explizit für Frauen bloggen.

Dabei handelt es sich allerdings nicht um Blogs über Themen, die nun ausschließlich nur weibliche Wesen betreffen würden, wie zum Beispiel Brustkrebs oder die Menopause.

Es geht vielmehr um Artikel, die sicherlich auch Männer interessant finden – beziehungsweise schreiben auch Männer über genau die gleichen Themen.

Das wäre in etwa so, wie wenn ich das Blender Tutorial nicht für alle publiziert hätte, sondern ausschließlich für Frauen… als wenn sonst niemand etwas damit anfangen könnte.

Nach ein wenig Recherche stelle ich fest, dass diese Art der Blogs immer mehr zunimmt und gerade im englischsprachigen Bereich diese Marotte sehr stark verbreitet ist.

Blogs für Frauen von Frauen… hmm. Ich lehne mich kurz zurück und überlege…

Ich bin eine Frau, ganz eindeutig, aber ich fühle mich nicht unbedingt angesprochen. Im Gegenteil, ich fühle mich eher abgeschreckt.

Dieses Was-auch-immer von Frauen für Frauen hat für mich einen schalen Beigeschmack. Es klingt für mich einfach nur nach Feminismus und Männerfeindlichkeit. Die Bevorzugung einer Seite, vollkommen egal welcher Seite, bringt zwangsläufig die Diskriminierung der anderen Seite mit sich. Das eine geht nicht ohne das andere.

Ich mag das nicht… ich mag grundsätzlich kein Ausschluss von einer, wie auch immer gearteten, Gruppe von Menschen. Aber das lese ich dort ganz deutlich heraus: Männer haben gefälligst draußen zu bleiben. Oder sehe ich das vielleicht doch zu eng?

Gut, manche Bloggerinnen erwähnen, dass auch Männer auf ihrem Blog willkommen sind – aber warum wird dann der betreffende Blog als Blog für die Frau proklamiert, wenn dann doch nicht ausschließlich Frauen angesprochen werden sollen. Da könnte Frau das ganze Tamtam doch gleich lassen und für alle Besucher schreiben. Ich kann mir außerdem beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich Männer dann noch willkommen fühlen, die werden wohl eher einfach wegbleiben.

Ich stelle mir vor, was wäre, wenn ein Mann diese Frauen als Vorbild nehmen und einen Blog explizit für den Mann machen würde – und zwar ganz eindeutig einen Blog über ein allgemeines Thema, ich meine nicht die Blogs über männerspezifisches Themen – dann wäre der Aufschrei im Netz und womöglich auch in allen anderen Medien sicher groß.

Ich frage mich allen Ernstes, warum muss es so betont werden, dass dort eine Frau schreibt bzw. dort für Frauen geschrieben wird. Wie gesagt, in diesen Blogs geht es nicht um Mode oder Kosmetik.

Steckt dahinter etwa eine ausgeklügelte Marketingstrategie? Wird die Frau gerade als neue Einnahmequelle entdeckt? Verdient man… bzw. frau etwa besser mit ihrem Blog, wenn sie ihn als einen Blog für Frauen propagiert?

Ich kann es mir irgendwie nicht vorstellen, schließlich wird auf diese Weise ein großer Teil – nämlich der Männliche, der mehr als die Hälfte ausmacht – der Leser nicht angesprochen. Ich bin verwirrt: Mir erschließt sich einfach nicht der Sinn dahinter, den Großteil der Leser ausschließen zu wollen.

Oder glauben die Autorinnen, für Frauen müssten die Themen extra aufgearbeitet werden? Und wenn ja, was bedeutet extra aufgearbeitet? Sind Frauen in diesem Zusammenhang begriffsstutziger oder gibt es sonst irgendwie frauenspezifische Verständnisprobleme, so dass auf Frauen extra anders eingegangen werden muss?

Das wäre mir auf jeden Fall neu und ich will es auch nicht hoffen. Vielleicht ist es aber auch anders herum und die Autorinnen glauben, Männer würden ihre Texte erst gar nicht verstehen, was ziemlich überheblich wäre und, vorsichtig ausgedrückt, höchst unsympathisch.

Ich möchte jedenfalls nicht als mehr oder weniger intelligent angesehen werden als das männliche Geschlecht, nur weil ich zufällig weiblich bin. Ich halte mich lieber an Blogs, die für alle geschrieben sind, ich persönlich brauche keine Extrawurst und will sie auch gar nicht haben.

Ich sehe Männer nicht als Feind und ich bevorzuge Blogs, in denen alle willkommen sind, denn die sind für mich in der Regel interessanter, da sie sich mehr auf das eigentliche Thema/Themen des Blogs konzentrieren und weniger vom Thema Frau gefärbt sind.

Meines Erachtens ist es das Optimum für einen Blog, wenn dort Autoren beiderlei Geschlechts posten, ohne das Geschlecht an sich herausstellen zu müssen.

Ich gebe zu, dieser Artikel ist provokant und ich bin sicherlich auch der einen oder anderen Frau auf den Schlips getreten, aber auch ich als Frau bin nicht davon begeistert, dass nun mancherorts die Männer mehr oder weniger benachteiligt, sprich ausgegrenzt werden.

Ebenso verursacht „Emanzengehabe“ und das Zelebrieren der vermeintlichen Opferrolle mancher Frauen bei mir Plaque.

Fazit:

Ich empfinde es als äußerst kontraproduktiv für die Blogosphäre, wenn es nicht mehr vornehmlich um interessante Inhalte geht, sondern plakativ das Geschlecht herausgestellt wird. Dann müssen sich auch manche Frauen nicht beschweren, dass sie eventuell weniger beachtet werden, denn sie nehmen sich dadurch letztendlich selbst heraus.

Ich für meinen Teil bin bestrebt meine Artikel für alle zu schreiben, nicht nur für eine bestimmte Gruppe, und damit möglichst viele Leser anzuregen, möglichst vielen zu helfen oder einfach nur zu unterhalten.

Ich möchte, dass meine Artikel nicht nur gelesen werden – oder eben nicht gelesen werden, weil ich eine Frau bin. Ich hoffe vor allen Dingen, dass meine Artikel nach ihrem Inhalt bewertet werden und nicht vorrangig danach, was ich bin.

About The Author

Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

8 Comments

  • Waelti

    10. Januar 2012

    Jo, da kann „man“ schon geteilter Meinung sein 😉
    Ich kommentiere übrigens auf so einem Blog recht häufig und recht gerne. Also, bei einem Blog wo dieser Schwerpunkt „für Frauen“ explizit erwähnt ist.

    Wenn ich ein Blog für „Handwerker“ mache, dann sind die Nicht-Handwerker beleidigt. Und schreibe ich oben drüber „Für Anfänger“ meinetwegen auch „For Beginners“…

    Die Sprache unterscheidet sich teilweise schon. Bei sehr unterschiedlichen Gruppen. Den Schwerpunkt zu erwähnen, das finde ich ganz OK. (Der Artikel hier gerade, der klingt recht männlich. Bin ich jetzt Gender-feindlich? Nicht ganz ernst und sicher nicht böse gemeint.)

  • Waelti

    10. Januar 2012

    Ach, noch ein kleiner Nachtrag. Gerne beim anderen hinten dran hängen.

    Ich finde gerade Brustkrebs, ganz besonders, und Menopause *sollte* die Männer auch interessieren? Ob in einer Partnerschaft oder im Betrieb, im Verein oder Privat: es wird sich etwas verändern. Vielleicht kann „Mann“ sich da ein bisschen drauf einstellen. Foren über das Schminken, den Haushalt und Erziehung, vor allem die stark unterschiedliche Denkweise zwischen Mann und Frau, das fasziniert mich auch. Wenn auch meistens nur als stiller Mitleser.

  • vanvox

    10. Januar 2012

    Oh, ich habe so einen Blog von Frau für Frauen vor einem Jahr gestartet aus einer Laune heraus. Und ich kann dir versichern, dass da absolut keine Marketingstrategie dahinter steckt, auch wenn der Blog sich inzwischen ganz gut entwickelt hat und ich mir mittlerweile auch vorstellen kann, mit dem Bloggen Geld zu verdienen. Ich wollte einfach nur ein bisschen Spaß und den habe ich! Und nebenbei unterstütze ich webliche Webmaster und freue mich darüber, wenn ich ihnen helfen konnte.
    Ich habe irgendwann festgestellt, dass ich doch auch ein paar männliche Leser habe, deswegen ist der Blog jetzt seit einiger Zeit von Frau nicht nur für Frauen.
    Es ist sehr interssant, dass es die Frauen sind, die das Ganze etwas arg ernst nehmen und sich an einem Blog von Frau für Frauen stören…
    Was steckt dahinter? Spaß steckt dahinter. Das ist alles.
    Lust auf eine Blogvorstellung bei mir?
    Grüße,
    vanvox

  • Anurien

    10. Januar 2012

    Hallo Waelti,

    erst einmal vielen Dank für Deine Kommentare.

    Ich denke, es ist ein erheblicher Unterschied, ob man einem Blog „für Frauen“ oder „für Handwerker“ benennt. Lande ich zum Beispiel auf einem Blog für Handwerker, so fühle ich mich keinesfalls unerwünscht. Denn jeder Mensch, der sich ein wenig handwerklich interessiert, kann sich durchaus angesprochen fühlen. Außerdem steht es mir vollkommen frei zum Handwerker zu werden. Will ich also ganz deutlich dazu gehören, habe ich die Möglichkeit. Bei einem Blog für Frauen gestaltet sich soetwas schon schwieriger, wenn man keine Frau ist 😉

    Gerade die Vor- oder Benachteiligung der Geschlechter stößt doch sauer auf und wird immer noch ständig diskutiert. Der Vergleich mit dem Handwerker oder ähnlichem hinkt deshalb.

    Auch das Beispiel mit den Anfängern ist ungeeignet, denn wirklich jeder von uns war irgendwann einmal in irgendetwas ein Anfänger, also hab ich keinen Grund bei einem entsprechenden Blog mich in irgendeiner Weise vor den Kopf gestoßen zu fühlen.

    Mit dem Interesse der Männer für frauenspezifische Probleme hast Du vollkommen Recht. Mit Sicherheit gibt es Männer, die Artikel über Brustkrebs o. ä. studieren, gerade wenn eine ihnen nahestehende Frau betroffen ist. Aber bei einem Blog über Brustkrebs kann man eher damit rechnen und tolerieren, wenn dort steht „Blog für Frauen“, weil dieses Thema in allerletzter Konsequenz eben nur Frauen betrifft.

    Andererseits z. B. bei einem SEO-Blog will mir nicht einleuchten, dass es Unterschiede geben soll zwischen SEO für Männer und SEO für Frauen… ich glaube, SEO ist einfach nur SEO.

    Kurz, mit den Beispielen (Brustkrebs, Kosmetik usw.) im obigen Artikel sollte verdeutlicht werden, dass es – wenn überhaupt – nur in solchen Blogs nachvollziebar wäre, wenn diese für Frauen gemacht wären, keinesfalls aber in Blogs über neutrale Themen, wie eben SEO oder Design oder Journalismus oder …

    Grundsätzlich empfinde ich es auch für Blogs über frauenspezifische Probleme als unschön diese als speziell für Frauen zu deklarieren, eben weil es auch Männer gibt, die diese lesen, was ich wiederum als positiv werte, da es mir zeigt, dass diese Männer am Leben ihrer weiblichen Mitmenschen, ob freundschaftlich oder partnerschaftlich, aktiv teilhaben 🙂

  • Anurien

    10. Januar 2012

    Hallo vanvox,

    danke für Deinen Beitrag 🙂

    Wenn Du daran Spaß hast, Frauen zu unterstützen, so soll Dir das natürlich unbenommen bleiben. Gegen eine persönliche Definition von Spaß lässt sich schlecht argumentieren.

    Es fällt mir eben nur sehr schwer, diesen nur auf Frauen ausgerichteten Spass nachzuvollziehen, weil es mein ganz persönliches Bestreben ist, grundsätzlich allen zu helfen, nicht nur einer Gruppe allein.

    Der eigentliche Spass am Bloggen liegt für mich im Bloggen selbst. Ich sehe keinen Grund darin, meine Leserschaft zu beschränken, schon überhaupt nicht, wenn es um neutrale Themen geht. Ich würde gerne verstehen, warum manche Frauen aber genau das tun. Aus welchem Grund kommen sie auf die Idee nur für Frauen schreiben zu wollen?

    Ich glaube dir, dass Du dir bei Deinem Blog für Frauen nichts Böses gedacht hast, trotzdem muss dich doch irgendetwas dazu bewegt haben, hättest Du sonst nicht einfach nur gebloggt?

    Dass nach Deiner Aussage vor allem Frauen dieses Thema so ernst sehen, ist meines Erachtens nicht ganz richtig. Ich glaube, dass sich einfach nur die Frauen mehr trauen, sich zu diesem Sachverhalt kritisch zu äußern und deshalb die meisten Artikel darüber von Frauen stammen. Wäre ich ein Mann, hätte ich mir jedenfalls ein paarmal mehr überlegt, ob ich diesen Artikel schreibe.

    Es ist ein empfindliches Thema und es sieht nunmal nicht so gut aus, wenn man die Vorgehensweise von Mitgliedern bestimmter Gruppen – in diesem Fall Frauen – in Frage stellt, ohne selbst zu der Gruppe zu gehören. Die Gefahr für einen Mann dabei unter die Räder zu kommen ist da schon um einiges größer.

    Eine Blogvorstellung ist immer gut, Du kannst mir gerne deine Rahmenbedingungen schicken (E-Mail aus dem Impressum)

    Liebe Grüße,
    Anu

  • Waelti

    10. Januar 2012

    Nu, ich denke das ist eine endlos Schleife.
    Für mich geht es nicht darum, ob das *Thema* für eine bestimmte Gruppe ist. Für mich geht es darum ob die Sprache/Aufbereitung für eine bestimmte Gruppe ist.

    Wenn das Corpus Callosum bei Frauen stärker ausgeprägt ist, als bei Männern, dann kann beinahe *jedes* Thema unterschiedlich aufbereitet werden. So wie fast jedes Thema für Anfänger/Fortgeschrittene/Spezialisten aufbereitet werden kann. Oder meinetwegen fast jedes Thema für kinästethische / visuelle / auditive Menschen aufbereitet werden könnte.

    Doch, wie gesagt, ich empfinde bei dir „die Position ist fest“. OK. Dann ist das eben so.

  • Anurien

    10. Januar 2012

    Das Corpus Callosum ist bei Frauen zwar dicker, nur habe ich so schnell keine Informationen darüber gefunden, warum und vor allem wie Themen deshalb unterschiedlich aufbereitet werden sollten.

    Ich wüsste auch nicht, wie dasselbe sachliche Thema einmal für Männer und einmal für Frauen aussieht.

    Ich glaube auch nicht, das Blogs für Frauen tatsächlich nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen speziell für die Leserinnen aufbereitet sind.

    Ich bin überzeugt, die Bloggerinnen schreiben einfach, ohne sich tiefer gehende Gedanken über die Physiologie des weiblichen Gehirns zu machen oder diese gar im geeignetem Maße zu berücksichtigen.

    Warum sollten Männer außerdem nicht verstehen können, was eine Frau z.B über die Fauna und Flora am Amazonas schreibt?

    Meinungen und Standpunkte werden meist kontrovers diskutiert, das liegt in der Natur der Sache.

    Nur weil ich innerhalb von zwei Posts nicht von meinem Standpunkt abweiche, heißt das nicht, dass ich festgefahren bin, nach wie vor bin ich diskussionsbereit und höre mir gerne vernünftige Argumente an, so wie ich es auch von meinem Gegenüber erhoffe.

    Deswegen verwehre ich mich auch gegen Totschlagargumente wie „Deine Haltung ist festgefahren“, diese halte ich für weniger konstruktiv.

    Dazu ein Zitat von ok-en.de:
    „Argumentieren bringt nix. […] Wenn Sie nicht darüber nachdenken weshalb das Gegenüber von seiner Position überzeugt ist…

    … keine Chance“

    Viele Grüße,
    Anu

  • Waelti

    10. Januar 2012

    Werte ich mal als 1:0 für Dich.

    Wobei – ich hatte nicht gesagt „Deine Haltung ist festgefahren“. Ich hatte geschrieben: ich *empfinde* bei dir „die Position ist fest“. Da habe ich lange drüber gegrübelt wie ich einen Reiz auslösen kann 😉

    Trotzdem, du hast Recht mit der Aussage viele Themen sind für alle. Vermutlich ist es auch richtig, dass bei manchen Seiten das Label für’s Marketing gedacht ist. Und die Umsetzung (das „anders aufbereiten“) schwer oder gar unmöglich ist.

    Ich lese lieber auf Blogs die von Frauen geschrieben werden, genau das „warum“ erklären kann ich nicht. Meistens ist viel mehr „Gefühl“ drin, weniger die Technik. Dein Artikel war mir (wieder: „war mir“, Gefühl. Nicht „ist“.) einfach zu hart.

    OK so?

    Liebe Grüße
    Waelti

    P.S.: Das war nu ein bisschen OFFTopic. Sry.