Der Multitasking-Mensch, der perfekte Arbeiter?

Multitasking: Zeitersparnis oder Zeitverlust?

Glaubst Du auch ein Multitasking-Meister zu sein und spielend mehrere Aufgaben parallel lösen zu können?

Bist Du auch der Meinung, dass es für deine Arbeitsergebnisse keine Rolle spielt, ob Du mit mehreren deiner Arbeiten jonglierst oder doch lieber alles schön nacheinander abarbeitest?

Bist Du überzeugt davon, dass je mehr Herausforderungen gleichzeitig auf dich einprasseln, um so eher läufst Du zur Höchstform auf?

Vielleicht solltest Du deine Einstellung einmal überdenken.

Was ist Multitasking?

Unter Multitasking, bezogen auf den Menschen, versteht man das Abarbeiten von mehr als einer Aufgabe zur gleichen Zeit.

Ursprünglich kommt dieser Begriff aus der Welt der Technik und bezeichnet die Fähigkeit eines Computers mehrere Arbeitsprozesse gleichzeitig zu bewältigen.

Doch selbst in der digitalen Welt werden diese Arbeitsprozesse nicht wirklich gleichzeitig geleistet, sondern die Rechenkapazität wird dahingehend aufgeteilt, dass der Prozessor in Sekundenbruchteilen einen Prozess ein Stück weit abarbeitet und anschließend zum nächsten Prozess wechselt, diesen bearbeitet usw. Dieser Wechsel zwischen den Rechenprozessen geht so schnell, dass der Eindruck der Gleichzeitigkeit entsteht.

Viele Unternehmer behaupten oft und gerne von sich selbst erfolgreiche Multitasker zu sein, schließlich gibt es unzählige wichtige Dinge, die am Besten sofort erledigt werden wollen. Die Wirtschaft wartet nicht, wer erfolgreich sein will, muss an vielen Fronten gleichzeitig kämpfen können.

Was Unternehmer sich selbst abverlangen, das setzen sie natürlich auch bei ihren Angestellten und Geschäftspartnern voraus. Diese Unternehmer und nicht selten auch der Unternehmensberater glauben unerschütterlich daran, durch Multitasking wertvolle Zeit und somit Geld zu gewinnen.

Das Multitasking-Prinzip hat schon längst die gesamte Wirtschaft durchdrungen, vom obersten Chef bis zum kleinen Angestellten.

Multitasking ist ein Mythos

Die Übertragung des Multitasking in die Arbeitswelt ist zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Wie soll es möglich sein, dass ein Mensch das Multitasking beherrscht, wenn noch nicht einmal eine Maschine dazu in der Lage ist.

„Echtes“ Multitasking unter den ganz normalen Menschen gibt es nicht. Der Mensch ist einfach nicht dafür geschaffen mehrere Aufgaben parallel erfolgreich durchzuführen. Die Betonung liegt hierbei auf erfolgreich, denn mehrere Aufgaben relativ simultan abzuarbeiten schaffen zwar viele irgendwie, aber eben mehr schlecht als recht und vor allem fehlerbehaftet.

Und diese Fehler wieder auszubügeln kostet Zeit, allzu oft erheblich viel Zeit, so dass andere Dinge liegen bleiben müssen – oder wieder gleichzeitig abgearbeitet werden, wodurch erneut Fehler passieren, die bei der intensiven Beschäftigung mit einer Sache allein nicht passiert wären.

Unsere Arbeitswelt gestaltet sich immer schneller und komplexer, wir sind vernetzt mit der ganzen Welt und müssen die globale Übersicht bewahren. Multitasking ist der Versuch dieser Welt Herr zu werden. Wir hecheln mit dem Handy am Ohr von Meeting zu Meeting, rufen im Sekundentakt E-Mails ab und pflegen den ganzen Tag über wichtige Social Media Kontakte.

Neben dieser ganzen, als äußerst wichtig eingestuften, digitalen Kommunikation versuchen wir verzweifelt noch produktiv tätig zu sein. Ständig abgehetzt und unter Zeitdruck bringen wir den Arbeitstag hinter uns und haben doch das Gefühl überhaupt nichts geschafft zu haben.

Auswirkungen des Multitasking

Die Ressourcen, die für die Denkarbeit zur Verfügung stehen, sind begrenzt. Auch widerspricht das Multitasking dem Aufbau und der Arbeitsweise unseres Gehirns, es verlangsamt unsere Reaktionen und erhöht die Fehleranfälligkeit.

Unser Gehirn ist ein äußerst komplexes und mächtiges Organ, ein Meisterwerk der Natur, das unglaubliche Leistungen vollbringt, schon allein was Kreativität und technischer Fortschritt anbetrifft. Unabhängig davon ist es aber unfähig, sich auf zwei Dinge gleichzeitig zu konzentrieren.

Wird man von einer Arbeit abgelenkt, zum Beispiel durch ein Telefonat oder durch einen Arbeitskollegen, so kann man bei komplexeren Arbeiten 15 bis 25 Minuten brauchen, um sich wieder vollständig in seine vorherige Aufgabe zu vertiefen. In vielen Unternehmen jedoch kommt schon die nächste Ablenkung, bevor es einem gelungen ist, sich wieder ganz in die Arbeit hinein zu finden. Diese ständigen Ablenkungen und Unterbrechungen frustrieren nicht nur immens, sondern kosten auch ungeahnt viel Zeit.

In einem Artikel der New York Times ist nachzulesen, dass Büroangestellte 28% ihrer Arbeitszeit auf Unterbrechungen und deren Verarbeitung verwenden, bevor sie sich wieder ihrer eigentlichen Arbeit zuwenden können. Der finanzielle Schaden für die US-Wirtschaft ist immens und wird auf 650 Milliarden Dollar geschätzt.

Analysiert einmal selbst euren Arbeitstag. Gibt es viele Unterbrechungen? Wie lange braucht ihr, um nach einer Ablenkung wieder euer Leistungshoch zu erreichen und konzentriert zu arbeiten? Was schafft ihr wirklich an einem Tag und wie oft habt ihr den Eindruck tatsächlich effektiv zu arbeiten und voran zu kommen?

Arbeitsunterbrechungen, egal aus welchem Grund, verursachen beachtliche Konzentrationsprobleme, destruktiven Stress und Frustration.

Dieses hin und her Springen, praktisch den Karren mit Mühe auf Höchstgeschwindigkeit bringen, nur um dann eine Vollbremsung hinlegen zu müssen, gehört zum sogenannten Multitasking und zehrt gewaltig an unserer Kraft. Multitasking, erzwungen oder sich selbst freiwillig auferlegt, ist somit eine der Hauptursachen des sogenannten Burnouts.

Fazit:

Unterbrechungen können nicht immer ausgeschaltet werden, aber egal ob Einzelunternehmer oder Führungskraft in einer Firma, primäres Ziel sollte vor allem sein, Ablenkungen so weit wie möglich zu reduzieren und Multitasking nicht einzufordern, sondern abzubauen.

Es kann wieder effektiver gearbeitet werden, die Mitarbeiter entspannen sich und sind nun auch in der Lage Höchstleistungen zu vollbringen. Die Ressourcen werden wieder vermehrt auf die wichtigen Dinge verwendet und wertvolle Arbeitszeit verpufft weniger ungenutzt aufgrund von Ablenkung.

Dieser Prozess kann natürlich eine ganze Weile dauern, aber es lohnt sich, nicht nur für den Firmenerfolg, auch für die Gesundheit jedes Einzelnen.

About The Author

Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

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