Warum deutsche Blogs weniger erfolgreich sind

Warum deutsche Blogs weniger erfolgreich sind

Die Blogs hierzulande schießen zwar wie Pilze aus dem Boden, sind aber genauso schnell wieder von der Bildfläche verschwunden. Es ist kinderleicht sich einen eigenen Blog zu erstellen, also tut es auch so ziemlich jeder. Meist ist das aber ein Schnellschuss und nach den ersten zwei bis drei Blogposts schläft der frischgebackene Blog auch schon wieder ein.

Es gibt allerdings auch immer wieder Blogger, die bleiben tapfer bei der Sache und versprechen sich von ihrem Blog so einiges. Sie stellen sich vor, wie sie bald überall bekannt sind, durchgehend erfolgreich bloggen und täglich hunderttausende an Lesern auf ihrem Blog empfangen.

Sie glauben früher oder später werden sie genauso populär wie die großen amerikanischen Blogs über die jeder spricht. Natürlich wird man dann auch mit seinem Blog das entsprechende Einkommen haben, genauso wie… Du weist schon wer. Aber ein deutscher Blog ist leider eine ganz andere Sache als die Blogs in Übersee.

Die Sprache ist die größte Barriere

Angefangen mit der Sprache: Deutsch liest doch keiner. „Keiner“ ist natürlich übertrieben, ein paar Leute gibt es im deutschsprachigen Raum ja schon, aber die überwiegende Mehrheit der Blogs lesenden Weltbevölkerung versteht nun mal kein Deutsch. Ganz klar, dass die englischsprachigen Blogs schon allein von der Größe seiner potenziellen Leserschaft her gegenüber den Deutschsprachigen einen enormen Vorteil haben. Hinzu kommt noch, dass viele Internetnutzer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auch auf englischsprachigen Blogs unterwegs sind, umgekehrt ist das sehr selten der Fall.

Befreites Schreiben ist der Schlüssel

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Art und Weise wie gebloggt wird. Auf deutschen Blogs wird in der Regel Zurückhaltung geübt. Die Autoren halten gerne mit ihrer Meinung hinterm Berg, drücken sich gerne vorsichtig aus und wollen nichts falsch machen. Die Blogger haben Angst etwas zu schreiben, das sie dumm oder dilettantisch wirken lassen könnte. Die Furcht davor, nicht mehr ernst genommen zu werden, wenn man ein Detail übersieht oder etwas Falsches veröffentlicht, verhindert echtes freies Schreiben.

Die Amerikaner machen es vor, sie bloggen frei von der Leber weg, beziehen Position, äußern ihre Meinung, auch wenn sie dadurch angreifbarer sind. Das Ausschlaggebende dabei ist einfach, diese Blogger sind dadurch interessant und werden gelesen. Wer niemals aneckt, ewig unverfängliche Artikel verfasst, der wird mit seinem seichten Content vermutlich auch immer unter dem Radar bleiben. Blogs mit Persönlichkeit fallen zwangsläufig auf und werden beachtet.

Du kannst nur das, was geschrieben steht

In Deutschland zählt das was Du bist mehr als das was Du kannst. Das ist hier sowieso ein allgemeines Phänomen. In Amerika zum Beispiel ist es mit viel Engagement und Ehrgeiz möglich, sich vom kleinen Arbeiter in der Karriereleiter hochzuarbeiten. In Deutschland reicht das nicht, hier braucht man es schriftlich, dass man auch wirklich kann, was man kann. Ohne die nötigen Zeugnisse, Diplome, Zertifikate, Urkunden und welche Papiere auch immer, ist es hier ungleich schwerer voran zu kommen als in den USA.

Das spiegelt sich auch in der deutschen Blogosphäre wider, wer nicht erkennbar ein Fachmann ist, wird eher misstrauisch betrachtet. Vor allem die Journalisten wollen sich von den Bloggern abgrenzen, die von der Presse immer noch gerne als Hobbyisten angesehen werden. Diese nicht vorhandene Verknüpfung zwischen Blogs und den Zeitungen schadet eher.

In den USA arbeitet die Presse in Form von Online-Zeitungen und -Magazinen mit Bloggern zusammen. Die Akzeptanz der Blogs ist dort auch eine ganz andere, sogar den Politikern ist wichtig, was in der Blogosphäre in Umlauf ist. Das Interesse daran, was das Volk zu sagen hat gehört zur amerikanischen Haltung.

Und zu guter Letzt: Amerikanische Blogger lieben es sich auszutauschen und zu diskutieren. Auch hier merkt man wieder deutlich, dass es die Hemmnisse, die in Deutschland die Blogosphäre noch fest im Griff haben, in den USA gar nicht vorhanden sind.

Fazit:

Trotzdem hier die Anzahl der Blogs nach wie vor stark zunimmt und sich die Blogosphäre weiter entwickelt hat, hinken wir in Deutschland immer noch hinterher. Nicht nur in den Köpfen der Blogger muss ein Umdenken stattfinden, auch die Umwelt sollte zum großen Teil ihre Haltung überdenken und sich viel mehr öffnen, wenn wir nicht ewig auf der Stelle treten wollen.

About The Author

Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

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