Wiederholung ist stärker als die Wahrheit

Wiederholung ist stärker als die Wahrheit

Wir leben in einer Welt der Werbung und des Konsums. Tagtäglich werden wir aus verschiedenen Quellen mit Werbung berieselt. Gerade beim wohlverdienten, entspannten Feierabend vor dem Fernseher ärgern wir uns über die Werbeunterbrechungen, die unsere Zeit verschwenden. Und dabei müssen wir immer wieder und wieder dieselbe Leier über uns ergehen lassen, denselben Werbespot sehen wir einige Male am Tag über Tage oder gar Wochen hinweg.

Die Macht der Wiederholung

Zuerst sind wir noch skeptisch wenn wir ein neues Produkt sehen. Wir wissen eigentlich ganz genau, dass man Werbung nicht glauben darf und dass immer maßlos übertrieben wird mit den tollen Eigenschaften eines Produkts. Alleine uns weis machen zu wollen, dass zum Beispiel ein Waschpulver über Jahrzehnte hinweg jedes Jahr aufs Neue noch weißer als weiß wäscht, finde ich irgendwie verdreht. Aber das Erstaunliche ist, es funktioniert. Oder passiert es dir nicht, dass Du einige Zeit nachdem dir gebetsmühlenartig die Vorteile eines Produktes eingetrichtert wurden, Du mit selbigen dann doch im Supermarkt an der Kasse stehst? Warum hast Du nicht die günstigere No-Name-Marke gewählt? Vielleicht, weil Du glaubtest, das Markenprodukt ist besser und hält was es verspricht?

Ganze Gruppen werden durch Wiederholung beeinflußt

Ein anderes Szenario: Du bist in einem Meeting und es wird eine Fragestellung zum aktuellen Projekt erörtert. Du hast zu Anfang des Treffens noch deine eigene Vorstellung im Kopf, wie das Ganze laufen könnte. Gegen Ende des Meetings ist davon nicht mehr viel übrig und Du hast deine Meinung völlig geändert. Was ist passiert? Während der Diskussion wurde öfter ein und derselbe Vorschlag in den Raum geworfen. Dieser Vorschlag wurde quasi so lange wiederholt, bis sich letztendlich alle Beteiligten dem angeschlossen hatten. Dabei ist noch nicht einmal klar, ob die Argumente immer von demselben oder von verschiedenen Personen stammten.

Irgendwann kann jedes Gerücht wahr werden

Noch ein drittes Szenario: Du hörst zum Beispiel ein Gerücht über eine Person, die Du kennst. Dieser Person wird etwas nachgesagt, was ihr gar nicht ähnlich sieht und was Du ihr nicht zugetraut hättest. Du hast also deine Zweifel und hältst das Gerücht eher für unwahr. Jedoch wird dir in der folgenden Zeit mehrmals dieselbe Geschichte erzählt und irgendwann fängst Du an, sie zu glauben. Nun ist das Gerücht gar kein Gerücht mehr, sondern eine Tatsache. Auch wenn das Gerücht im Nachhinein dementiert wird, so wird es doch als Fakt in Erinnerung bleiben.

Der Wahrheits-Effekt

Die oben beschriebenen Szenarien und deren Ausgang sind auf den sogenannten Wahrheits-Effekt zurückzuführen. Oder auf Englisch: der Truth-Effect. Der Wahrheitseffekt besagt, dass Informationen oder Aussagen, die einem bekannt sind, ein größerer Wahrheitsgehalt zugesprochen wird, als Informationen, die neu sind.

Das heißt, je öfter man eine Information hört oder liest, desto eher wird sie als wahr erinnert. Dieser Effekt kann sogar soweit gehen, dass Aussagen nach einem gewissen Zeitraum als wahr im Gedächtnis bleiben, die anfangs als falsch deklariert waren.

Wie kann das sein? Die Behauptung wurde durch Wiederholungen vertraut und was vertraut klingt wird gerne als wahr akzeptiert. Desweiteren vergessen wir im Laufe der Zeit oft den Konsens, der zu der Aussage gehört. Das heißt, nur die eigentliche Information bleibt übrig. Durch die fehlende Verknüpfung zum ursprünglichen Konsens geht uns damit auch die Wahr-Falsch-Markierung der Information verloren. Es kann also sogar passieren, dass sich Warnungen nach genügend langer Zeit in Empfehlungen wandeln.

Dazu fällt mir spontan der Spruch ein: Lieber schlechte Publicity als gar keine Publicity. Wie wir ja gerade gelernt haben, ist letztendlich Bekanntheit beständiger als Kontext.

Fazit:

Wenn Du also eine Aussage geduldig über einen gewissen Zeitraum wiederholst oder dieselbe Information immer wieder mal einstreust, so wird sie sich früher oder später als Fakt in den Köpfen gefestigt haben. Andersherum kannst Du auch bewusst darauf achten, nicht selbst auf den Leim zu gehen – Werbeversprechen zum Beispiel. Wenn Du um den Wahrheitseffekt weißt, kannst Du dich auch besser selbst beobachten und hinterfragen, ob deine Erinnerungen wirklich der Wahrheit entsprechen oder ob Du einfach nur glaubst, dass es die Wahrheit ist.

About The Author

Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

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