Firma gründen – welche Rechtsformen gibt es?

Firma gründen – welche Rechtsformen gibt es?

Nach dem Entschluss den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, kommen auf den Gründer verschiedene Fragenstellungen zu. Neben dem passenden Firmennamen, der Standortwahl, dem Businessplan und eventuellen Buchhaltungspflichten muss auch die passende Rechtsform gefunden werden!

Aber was genau ist die Rechtsform des Unternehmens? Die Rechtsform bildet das juristische Grundgerüst eines Unternehmens. Wer eine Rechtsform auswählt ist daraufhin an ganz bestimmte Rechte und Pflichten, inklusiv aller für die gewählte Gesellschaftform geltenden Rechtsgrundlagen, gebunden.

Welche Rechtsformen gibt es? Die Rechtsformen können grundsätzlich in zwei Bereiche gegliedert werden. Personengesellschaften (hierzu zählen das Einzelunternehmen und die Personengesellschaften) und die Kapitalgesellschaften. Alle Personengesellschaften haben gemeinsam, dass die Haftung der Gesellschafter nicht beschränkt ist, d.h. für Schulden und Verbindlichkeiten haften die Gesellschafter in voller Höhe, auch mit ihrem Privatvermögen (Ausnahme: Kommanditist einer KG). Bei Kapitalgesellschaften hingegen haften die Gesellschafter nur mit der getätigten Kapitaleinlage.

Einzelunternehmen

  • Einzelunternehmer
    Der Einzelunternehmer ist eine einzelne Person und gleichzeitig auch der Inhaber, welche ein Gewerbebetrieb oder eine freiberufliche Tätigkeit ausübt. Eine Kapitaleinlage muss für die Gründung nicht erfolgen. Als Einzelunternehmer haftet man mit seinem Privatvermögen. Die Gewinnermittlung kann bis zu einem Jahresumsatz von 500.000 € oder einem Jahresgewinn von bis zu 50.000 € mittels Einnahme Überschuss Rechnung erfolgen. Werden diese Grenzen überschritten, ist der Einzelunternehmern bilanzierungspflichtig, was das Aufstellen einer Bilanz, die doppelte Buchführung und die Umsatzsteuerpflicht voraussetzt. Von der Umsatzsteuerpflicht kann nur befreit werden wer unter 17.500 € Umsatz im Jahr erzielt (Kleinunternehmerregelung). Dann entfällt die Pflicht zur Abführung der Umsatzsteuer an das Finanzamt.

 Personengesellschaften

  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
    Die GbR muss von mindestens zwei Personen gegründet werden. Die GbR hat für Gründer den Vorteil, dass keine Kapitaleinlage geleistet werden muss und die Gründung formlos erfolgen kann. Die Gründung einer GbR ist unkompliziert. Der Vertrag über den Zweck der Gesellschaft kann schriftlich aber auch mündlich oder sogar stillschweigend erfolgen. Zu empfehlen (aber kein Pflicht) ist jedoch die schriftliche Fixierung des Vertrags und eventuell die Beglaubigung durch einen Notar, um späteren Streitigkeiten vorzubeugen. Ein Nachteil der GbR ist die Tatsache, dass die Gesellschafter uneingeschränkt mit ihrem Privatvermögen für Schulden/Verbindlichkeiten haften. Die GbR eignet sich vor allem für Startups, die mit einem Partner ein kleines Business aufbauen möchten.
  • Offene Handelsgesellschaft (OHG)
    Die offene Handelsgesellschaft zielt auf einen bestimmten Zweck ab (Betrieb eines Handelsgewerbes) und muss in das Handelsregister eingetragen werden. Eine Mindestkapitaleinlage ist für die Gründung der OHG nicht notwendig. Die Einlagen können in Geld-, Sachwerte oder Dienstleistungen erfolgen. So können z.B. mit in die Gesellschaft eingebrachte Maschinen oder Wagen als Sachwerte eingesetzt werden. Jeder Gesellschafter der OHG ist zur Geschäftsführung verpflichtet, wenn nichts anderes vereinbart wurde. Erwirtschaftete Verluste werden auf die Köpfe der Gesellschafter verteilt. Die Gesellschafter einer OHG haften unmittelbar und unbeschränkt, d.h. mit ihrer Kapitaleinlage und auch mit ihrem Privatvermögen.
  • Kommanditgesellschaft (KG)
    Wie die OHG besteht auch die KG aus mindestens 2 Personen, welche ein Handelsgewerbe betreiben. Der wesentliche Unterschied zur OHG besteht darin, dass die KG aus einem Komplementär (Vollhafter) und einem Kommanditisten (Teilhafter) besteht. Der Komplementär haftet für das Unternehmen persönlich und uneingeschränkt, hingegen haftet der Kommanditist nur mit seiner Kapitaleinlage. Der Komplementär führt die Geschäfte der KG. Der Kommanditist beteiligt sich lediglich mit seinem Kapital an der Gesellschaft ohne die Verpflichtung einzugehen mitzuarbeiten. Die Gesellschaft muss ins Handelsregister eingetragen werden. Es gibt kein Mindestkapital. Gewinne und Verluste der KG sollen, wenn nichts anderes bestimmt wurde, angemessen auf die Gesellschafter verteilt werden.

Kapitalgesellschaften

  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
    Die GmbH ist eine populäre Gesellschaftsform und wird mit einem Mindestkapital von 25.000 € gegründet. Für die Gründung, welche notariell beurkundet wird, muss eine Satzung vorliegen. Die Satzung muss folgendes beinhalten: Den Firmennamen, den Sitz der Gesellschaft, den Gegenstand (Zweck) der Gesellschaft, die Höhe des Stammkapitals (mind. 25.000 €), den Betrag der Geschäftsanteile der Gesellschafter und die Namen der Gründungsgesellschafter. Ein Vorteilhaft ist, dass die Gesellschafter nur mit ihrer Kapitaleinlage haften. Die Haftung mit dem Privatvermögen ist ausgeschlossen. Da die GmbH in das Handelsregister eingetragen werden muss ist eine Rechnungslegung, Jahresabschluss mit Bilanzierung, Gewinn- und Verlustrechnung und die doppelte Buchführung, zwingend notwendig. Die Organe der GmbH bestehen aus der Gesellschafterversammlung und dem Geschäftsführer. Der Geschäftsführer führt die Geschäfte der GmbH. Die Gesellschafter haben ein Mitbestimmungsrecht, müssen nicht zwingen mitarbeiten. Sie können auch reine Geldgeber der GmbH sein.
  • Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)
    Die UG (haftungsbeschränkt) wird nach der Maßgabe einer normalen GmbH gegründet. Der Unterschied zu einer GmbH liegt in der Höhe des Stammkapitals, welches bei der UG nur 1 € beträgt. Alle anderen Regelungen ergeben sich aus denen der GmbH.
  • Aktiengesellschaft (AG)
    Bei der Aktiengesellschaft handelt es sich um eine Kapitalgesellschaft deren Grundkapital, das sind mindestens 50.000 €, in Aktien aufgeteilt ist. Die Aktien dienen zur Kapitalbeschaffung des Unternehmens und können an einer Börse gehandelt werden. Das ermöglicht eine einfache Kapitalbeschaffung sowie die unkomplizierte Übertragung von Unternehmensanteilen, da die Aktien einfach Verkauft werden können. Die Kapitalgesellschaft eignet sich vor allem für Unternehmen mit großem Kapitalbedarf. Neben dem hohen Stammkapital ist die Gründung einer AG aufwändig. Außerdem muss eine AG durch deren Organe (Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung) geführt und kontrolliert werden.
  • Limited Company (Ltd.)
    Die Limited Company (kurz Ltd.) ist eine nach britischem Recht nicht börsennotierte, haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft. Für die Gründung muss die Ltd. in das britische Handelsregister eingetragen und eine Satzung nach britischem Recht verfasst werden. Auch bei der Ltd. muss bei der Gründung kein Mindestkapital bereitgestellt werden, was die Ltd. für viele Gründer interessant macht. Die Gesellschaft kann Ihren Gerichtsstand innerhalb der europäischen Union haben, wobei das britische Gesellschaftsrecht die Rechtsgrundlage darstellt. Falls die Ltd. mit der Hauptverwaltung oder Betriebsstätte in Deutschland ansässig ist, muss sie nach deutschem Steuerrecht Bilanzen/Jahresabschluss erstellen und die Gewinne ausweisen. Nachteil einer Ltd. in Deutschland ist, dass sich das Unternehmen ständig in zwei Rechtsräumen bewegt, was bei einer Klageerhebung durch oder gegen die Ltd. problematisch werden kann.

Fazit

Die Wahl der Rechtsform sollte nicht aus dem Bauch heraus entschieden werden, da damit bestimmte Rechte und Pflichten auf den Unternehmer zukommen. Wer vor dieser Entscheidung steht sollte sich unbedingt mit den in Frage kommenden Rechtsform-Alternativen eingehender auseinandersetzen und deren Vor- und Nachteile genauer abwägen. Da das Thema der Gesellschaftsformen sehr umfangreich ist (an der Gesellschaftsform hängen weitere Bedingungen, wie z.B. die Besteuerung des Unternehmens), sollte bei speziellen Fragen die Gründungsberatung, ein Steuerberater oder Jurist hinzugezogen werden.

Hinweis: Die Ausführungen zu den genannten Gesellschaftsformen sind nicht vollständig und dienen lediglich dem Einstieg in das Thema der Gesellschaftsformen.


Frank ElsenbruchÜber den Autor

Frank Elsenbruch beschäftigt sich beruflich mit den Themen Existenzgründung, Online-Marketing, Unternehmenssoftware, Cloud-Computing und veröffentlicht regelmäßig Artikel zu diesen Themen.


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