Duales Studium - Überschätzt oder wirklich gut?

Duales Studium – Überschätzt oder wirklich gut?

Haben Sie schon von einem dualen Studium gehört? Alternativ von einem BA Studium oder einem Verbundstudium? Das sind die drei gängigsten Bezeichnungen für ein Studienmodell, welches in den vergangenen fünf Jahren quasi explodiert ist. Die Kombination von Studium und einer zeitgleichen Ausbildung im Betrieb ist nicht nur bei Schulabgängern so beliebt wie noch nie, auch immer mehr Unternehmen öffnen sich diesem Ausbildungsmodell. Welche Entwicklung hat das duale Studium genommen? Und hält es auch, was sich die vielen Studieninteressenten davon versprechen? Ein Überblick.

Die Entwicklung

Das duale Studium hat in Deutschland eine rasante Entwicklung mitgemacht. So rasant, dass sich sogar die USA für dieses Modell interessieren. Die folgende Grafik verdeutlicht die hohe Nachfrage:

Statistik Duales Studium

In den letzten Jahren ist die Zahl der Studierenden um rund 50% gestiegen, die Zahl der teilnehmenden Unternehmen hat sich verdoppelt. Damit einher geht ebenfalls ein starker Anstieg der dualen Studiengänge. Mittlerweile gibt es fast 1.000 Studienmöglichkeiten. Dabei fokussiert sich das Studienangebot auf die Fachbereiche Ingenieurwesen & Technik, Gesundheit & Soziales sowie Wirtschaft.

Bei einem dualen Studium absolviert der Student zeitgleich mit dem akademischen Studium eine Ausbildung oder ein Langzeitpraktikum in einem Unternehmen. Die Phasen von Praxis und Theorie wechseln sich, je nach Modell, wöchentlich oder alle drei Monate ab. Am Ende der Studienzeit kann der Student (und gleichzeitig Auzubi bzw. Praktikant) dann einen Bachelor-Abschluss und zahlreiche Praxiserfahrungen sowie evtl. auch noch einen staatlichen Berufsabschluss vorweisen. Der „Praxisschock“, den viele „Normal-Studenten“ beim Berufseinstieg erleben, entfällt somit.

Viele Vorteile

Bei der Frage, warum sie sich für ein solches Studium interessieren, geben Studieninteressenten immer die gleiche Antwort: Man verdient Geld und sammelt Praxiserfahrungen, verknüpft mit einem akademischen Studienabschluss. Hört sich nach einer eierlegenden Wollmilchsau in Studienform an.

Und wahrlich sind die Vorteile nicht von der Hand zu weisen: Die Entlohnung durch den Ausbildungsbetrieb ermöglicht es vielen Schulabgängern erst, überhaupt ein Studium zu beginnen. So mancher duale Student hätte sich ein „normales“ Vollzeitstudium nicht oder nur sehr schwer leisten können. Ein duales Studium sorgt also dafür, dass auch Kinder aus ärmeren Haushalten eine akademische Ausbildung absolvieren können. Das ist ganz im Sinne der Bildungsministerin.

Ein weiterer Vorteil: Durch die Einbindung in ein Unternehmen gelingt eine gezielte Verknüpfung von Praxis und Theorie. Was während der Theoriephase in der Hochschule gelernt wurde, kann direkt im Unternehmen praktisch angewendet werden. Und umgekehrt. Die Lehrinhalte im Studium sind mit den Kooperationsunternehmen und Ausbildungsplänen abgestimmt, damit ein möglichst optimaler Wissenstransfer gewährleistet wird. Nach dem Studien- und Ausbildungsabschluss und beim Sprung in eine Festanstellung entfällt somit der Praxisschock, den Absolventen eines Vollzeitstudiums oftmals erleben.

Nicht die Nachteile übersehen

Allerdings sollten in der Euphorie dieser Vorteile auch die Nachteile nicht übersehen werden. Ein duales Studium bringt viel Stress mit sich, da Ausbildungs- und Studienzeiten nahtlos ineinander übergehen und zu der täglichen Arbeitsschicht auch noch das abendliche Lernen und Vorbereiten für Hausarbeiten und Klausuren kommt.

Ein duales Studium ist straff organisiert, Zeit für die persönliche Entwicklung, die oftmals in den Leerräumen eines Vollzeitstudiums und durch die persönlichen Erfahrungen an einer großen Uni oder FH durchlaufen wird, bleibt nicht wirklich. Ein duales Studium ist der Sprung von 0 auf 100, von Schüler auf Arbeitnehmer in wenigen Monaten. Dazu kommt, das duale Studenten sehr fixiert sind auf einen Fachbereich – der Blick über den Tellerrand fehlt oftmals.

Fazit: Ein Studium nicht für jeden

Vor der Studienwahl sollten sich Schulabgänger gut informieren, denn nicht jeder ist der Typ für das fordernde Studienmodell. Man sollte Lernstress aushalten können und den Wechsel von Theorie und Praxis sowie die damit einhergehenden Anforderungen, auch im betrieblichen Arbeitsumfeld, überstehen bzw. Ihnen mit Freude begegnen.

Webseiten wie der www.Wegweiser-Duales-Studium.de bieten hierzu eine gute Möglichkeit. Auf dieser Webseite gibt es zudem eine Studienplatzbörse, in der Hochschulen und Firmen freie Studienmöglichkeiten präsentieren. Außerdem gibt es auch filmische Erklärungen:


Über den Autor:

Marcel ist Redakteur bei verschiedenen Online-Studienführern, die Schulabgängern bei der Suche nach dem richtigen Studium behilflich sein möchten. Egal, ob man ein Ingenieurstudium wie Maschinenbau und Elektrotechnik sucht oder  „was mit Medien studieren möchte“, auf den seriös und unabhängig recherchierten Webseiten findet man Hilfe.

1 Comment

  • JonasB

    27. Juni 2012

    Ich habe mir quasi mein eigenes duales Studium gebaut, indem ich das Studium etwas langsamer angegangen bin und mich dafür während des Studiums selbständig gemacht habe.

    Prinzipiell finde ich die Idee des dualen Studiums einfach super. Nur wenn man theoretisches Wissen auch direkt auf die Praxis übertragen kann, behält man es auf Dauer. Sonst lernt man nur für die Klausur und vergisst es danach meistens gleich wieder.