Hartz IV und Selbständigkeit - wenn die Selbständigkeit erfolglos ist

Hartz IV und Selbständigkeit – wenn die Selbständigkeit erfolglos ist

Immer mehr Menschen machen sich selbständig. Erstes Ziel ist es sich als Einzelunternehmer Schritt für Schritt eine Existenz aufzubauen und nach einer gewissen Zeit genug Einkünfte zu haben um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Nun ist die Selbständigkeit nicht so einfach und mal eben so durchgeführt. Schon gar nicht darf erwartet werden, dass ein frischgebackener Selbständiger innerhalb kürzester Zeit das große Geld verdient. Die Selbständigkeit ist mit guter Planung, harter Arbeit und viel Geduld verbunden. Es dauert normalerweise mindestens zwei bis drei Jahre, bis sich die Selbständigkeit selber trägt. Ausnahmen kann es selbstverständlich immer mal wieder geben, aber das Groß der Unternehmungen braucht seine Zeit.

Um diese Anfangsphase überstehen zu können beziehen viele Selbständige ergänzend zu ihren Einkünften Hartz IV (Arbeitslosengeld 2), das sind die sogenannten „Aufstocker“.

Immer mehr Selbständige sind auf Hartz IV angewiesen

Leider ist zu beobachten, dass die Anzahl dieser Aufstocker immer weiter wächst. Das bedeutet nicht nur, dass immer mehr Menschen aus der Arbeitslosigkeit und Hartz 4 heraus den Schritt in die Selbständigkeit wagen. Daraus kann man auch schließen, dass viele Selbständige über die Grenze zur Grundsicherung längerfristig nicht hinaus kommen.

Einige selbständige Aufstocker begründen dieses mangelnde Fortkommen durch die Hemmnisse, die ihnen von den Jobcentern in den Weg gelegt werden.

Die Stolpersteine für den Selbständigen

Allem voran ist die Bürokratie der Arbeitsämter ein großer Stolperstein auf dem Weg zur erfolgreichen Selbständigkeit. Die Grundlage für die Berechnung der zukünftigen Bezüge des Antragstellers ist eine Prognose auf die zu erwartenden Einnahmen im Bewilligungszeitraum. Diese Prognose muss der Selbständige selbst aufstellen. Gerade ganz am Anfang ist eine Schätzung alles andere als einfach, geschweige denn präzise und auch das entsprechende Formular ist wenig selbsterklärend.

Problematisch an dieser Prognose ist Folgendes: Werden die Gewinne zu hoch eingeschätzt, so erhält der Bezugsberechtigte zu wenig Hartz 4, so dass er in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geraten kann. Schätzt der Unternehmer zu niedrig, so muss er nach dem Bewilligungszeitraum gegebenenfalls eine Menge Geld an das Jobcenter zurückzahlen. Es kommt leider manchmal vor, dass dieses Geld zum Teil oder gar nicht mehr vorhanden ist. In sechs Monaten – so lange bemisst sich ein Bewilligungszeitraum – kann viel Unvorhergesehenes passieren. Der Unternehmer befindet sich in der Schuldenfalle, bevor er überhaupt richtig gestartet ist.

Ein weiterer verhängnisvoller Stolperstein kann die halbjährliche Abrechnung mit dem Jobcenter sein. Dass das betreffende Formular für Nichtbürokraten auch hier wieder seine Tücken hat ist das kleinere Problem. Normalerweise soll einfach der Gewinn ermittelt werden, also Einnahmen minus Ausgaben. Jedoch besteht keine Sicherheit darin, was das Jobcenter, bzw. der gerade zuständige Sachbearbeiter, als Ausgaben für die Selbständigkeit akzeptiert. Es bleibt also ein gewisses Restrisiko wenn der Selbständige nötige Investitionen tätigt.

Mit Hartz IV ist der Selbständige finanziell zu unbeweglich

Diese finanzielle Eingeschränktheit fördert wenig das Gedeihen des jungen Unternehmens. Jeder Selbständige und jeder Geschäftsmann weiß, dass meist erst investiert werden muss bevor nennenswerte Gewinne erzielt werden können. Ein Selbständiger, der nebenbei abhängig von Hartz 4 ist, hat meines Erachtens nach nicht die nötige Freiheit um sein Unternehmen wirklich voranzubringen.

Hartz IV kostet Zeit und Nerven

Zum anderen kann die ständige Kontrolle durch das Jobcenter bei manchen Menschen sehr stark auf die Psyche schlagen. Es wird zu viel wertvolle Zeit und Nerven auf die Auseinandersetzung mit Sachbearbeitern verschwendet, anstatt sich auf seine eigentlichen Aufgaben konzentrieren zu können. Es wird zusätzlich umso anstrengender für den Selbständigen, umso länger seinen Lebensunterhalt mit Hartz 4 aufstocken muss. Denn das Jobcenter will in der Regel schnellstmöglich Ergebnisse sehen, denn Aufstocker bedeuten für die Sachbearbeiter mehr Arbeit als der durchschnittliche Hartz 4 Empfänger.

Fazit:

Wer sich selbständig machen möchte, sollte es möglichst vermeiden nebenbei vom Jobcenter abhängig zu sein.

Eine sorgfältige Planung für die ersten zwei bis drei Jahre der Selbständigkeit ist das Wichtigste überhaupt. Lasse dir ausreichend Zeit, recherchiere gründlich wo Fördergelder zu bekommen sind und von wo Du reelle Unterstützung bekommen kannst, sei es finanziell oder mit Know-How. Wer sich gewissenhaft umsieht findet genug Möglichkeiten um die ersten Jahre sicher sein Unternehmen aufbauen zu können.

Der Start in die Selbständigkeit nur mit Hartz 4 im Rücken ist der schlechteste Start den man haben kann. Also handle nicht überstürzt oder aus einer fixen Idee heraus, informiere dich eingehend, zum Beispiel bei einem der zahlreichen Seminare für Gründungswillige.

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Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

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