Kleinunternehmerregelung - Der Kleinunternehmer und die Umsatzsteuer

Kleinunternehmerregelung – Der Kleinunternehmer und die Umsatzsteuer

Willst Du dich demnächst selbständig machen? Hast Du vielleicht schon konkrete Vorstellungen wie dein Unternehmen später einmal laufen soll, nur der Anfang fehlt noch?

Jeder der sich selbständig machen will, hat die unterschiedlichsten Dinge zu beachten und braucht einiges an Durchhaltevermögen bis alles endlich richtig durchgeplant ist. Ein Puzzleteil für deinen Plan für die Selbständigkeit ist dieser Blogartikel zur Kleinunternehmerregelung.

Dieser Blogartikel stellt keine Rechtsberatung dar und ersetzt nicht die Beratung durch einen Rechtsanwalt und/oder Steuerberater, er gibt ausschließlich die persönliche Meinung und Erfahrung des Autors wieder.

Was ist die Kleinunternehmerregelung?

Die Kleinunternehmerregelung bedeutet, dass Du als sogenannter Kleinunternehmer umsatzsteuerliche Erleichterungen genießt. Deine Einnahmen laufen ohne Berechnung der Umsatzsteuer.

Das heißt, Du stellst deine Rechnungen ohne darin Umsatzsteuer auszuweisen. Deine Kunden zahlen also den Nettopreis an dich. Du musst demnach auch keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen, da Du diese Umsatzsteuer gar nicht erst von deinen Kunden einnimmst.

Voraussetzungen für die Kleinunternehmerregelung

Um die Kleinunternehmerregelung für dich geltend machen zu können, musst Du bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Deine Umsätze dürfen festgelegte Grenzen nicht überschreiten, nämlich:

  1. Dein Gesamtumsatz muss im Vorjahr unter 17.500 Euro liegen und
  2. Dein Gesamtumsatz im laufenden Jahr sollte voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro betragen

Wichtig: Beide Bedingungen müssen gleichermaßen erfüllt sein, damit Du als Kleinunternehmer gelten darfst.

Keine Regel ohne Ausnahme: Im Gründungsjahr deines Unternehmens ist nur die Umsatzgrenze von 17.500 Euro für die Kleinunternehmerregelung von Bedeutung. Warum das so ist, erkläre ich dir im nächsten Absatz.

Die Kleinunternehmerregelung im Gründungsjahr

Wenn Du dein Unternehmen frisch gründest, ist für dich in dem Jahr die Umsatzgrenze von 17.500 Euro maßgeblich. Es gibt ja noch kein Vorjahr in dem Umsätze gemacht werden konnten.

Die Umsatzgrenze von 17.500 Euro teilst Du auf 12 Monate auf und rechnest anteilig. Dazu zur Veranschaulichung ein Beispiel: Angenommen Du bist mit deiner Selbständigkeit erst im Juli gestartet, dann bist Du in deinem Gründungsjahr 6 Monate selbständig (Juli – Dezember).

Dein voraussichtlicher Gesamtumsatz darf demnach höchstens 8.750 Euro betragen. Es wird also gerechnet: 17.500 Euro dividiert durch 12 Monate multipliziert mit den tatsächlich selbständig gewesenen Monaten, in unserem Beispiel sind das 6 Monate.

Allerdings wird ein Monat nicht mehr in Tage aufgeteilt, sondern ausschließlich als voller Monat berechnet. Auch wenn Du also mitten in einem Monat dein Unternehmen gründest, wird dieser Monat trotzdem für die Gesamtumsatzgrenze voll gezählt.

Die Kleinunternehmerregelung im laufenden Jahr

Für das laufende Jahr gilt dein voraussichtlicher Gesamtumsatz. Dieser sollte die 50.000 Euro nicht überschreiten. Passiert es aber doch, dass Du dich verschätzt hast und Du stellst im Nachhinein fest, dass dein Umsatz höher ist als diese 50.000 Euro, dann musst Du dir noch keine Sorgen machen.

Für das betreffende Jahr musst Du keine Nachzahlungen leisten oder gar Strafen erwarten. Aber im Folgejahr fällst Du automatisch aus der Kleinunternehmerregelung heraus.

Aufpassen: Auch wenn deine Umsätze nicht über 50.000 Euro liegen, aber dafür die 17.500 Euro erreicht haben, gilt die Kleinunternehmerregelung im Folgejahr trotzdem nicht mehr für dich. Siehe dazu oben die Regel Nr. 1 – Dein Gesamtumsatz muss im Vorjahr unter 17.500 Euro liegen!

Das bedeutet, wenn Du dauerhaft in den Genuss der Kleinunternehmerregelung kommen willst, musst Du mit deinem Gesamtumsatz in jedem Jahr unter 17.500 Euro bleiben.

Die Kleinunternehmerregelung in der Übersicht

Wenn die Kleinunternehmerregelung nicht mehr gilt

Dann musst Du auf deinen Rechnungen die Umsatzsteuer ausweisen und für das Finanzamt einnehmen. Wenn Du zu spät merkst, dass Du im laufenden Jahr kein Kleinunternehmer mehr bist und keine Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen ausgewiesen hast, kann das unter Umständen teuer werden. Denn auch wenn Du keine Umsatzsteuer von deinen Kunden erhalten hast, musst Du für diesen Zeitraum trotzdem die Umsatzsteuer nachzahlen.

Solltest Du in dem Jahr wieder unter den Gesamtumsatz von 17.500 Euro fallen und im Folgejahr nicht mehr als 50.000 Euro Umsatz erwarten, so sind wieder alle Bedingungen erfüllt und Du kannst zur Kleinunternehmerregelung zurückkehren.

Vorteile und Nachteile der Kleinunternehmerregelung

Als Kleinunternehmer hast Du es leichter, was die Umsatzsteuer betrifft. Folgende Vorteile hast Du, wenn Du für dein Unternehmen die Kleinunternehmerregelung anwenden kannst:

  • Du musst deinen Kunden keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen
  • Die lästigen Umsatzsteuervoranmeldungen bleiben dir erspart

Dass die Umsatzsteuervoranmeldungen wegfallen, sehen die meisten sicherlich als Vorteil, ich denke, das muss ich nicht weiter ausführen. Deine Rechnungen ohne Umsatzsteuer stellen zu dürfen ist hingegen nur bedingt ein Vorteil. Solange es sich bei deinen Kunden überwiegend um Privatkunden handelt, kann dir die Kleinunternehmerregelung mehr Erfolg bringen.

Privatkunden können die Umsatzsteuer nicht beim Finanzamt geltend machen. Das bedeutet, Du kannst mit deinen Nettopreisen für deine Kunden attraktiver sein als deine Mitbewerber, die die Umsatzsteuer aufschlagen müssen.

Bei gewerblichen Kunden allerdings wirkt dieser Preisvorteil nicht, denn für Unternehmen ist die Umsatzsteuer ein durchlaufender Posten. Die gewerblichen Kunden holen sich die gezahlte Umsatzsteuer einfach wieder vom Finanzamt zurück – solange sie keine Kleinunternehmer sind.

Damit wären wir schon bei einem merklichen Nachteil der Kleinunternehmerregelung:

  • Du kannst die Umsatzsteuer für deine Ausgaben beim Finanzamt nicht geltend machen

Gerade in der Anfangsphase sind die Ausgaben für ein junges Unternehmen oft sehr viel höher als die Einnahmen. Wenn Du in diesem Fall die Umsatzsteuer beim Finanzamt geltend machen könntest, würdest Du sicherlich eine Menge Geld sparen.

Kleinunternehmerregelung oder nicht – Du hast die Wahl

Auch wenn Du aufgrund deiner Umsätze die Voraussetzungen für eine Kleinunternehmerregelung erfüllst, bist Du keinesfalls gezwungen als Kleinunternehmer zu agieren. Du hast die Möglichkeit zwischen Umsatzsteuerpflicht und Umsatzsteuerbefreiung zu wählen.

Fazit zur Kleinunternehmerregelung

Jeder, der sich selbständig machen will, sollte sorgfältig abwägen, ob es sich für ihn lohnt als Kleinunternehmer sein Geschäft zu führen. Dabei hilft es dir, deine nötigen Investitionen, deine Zielgruppe und deine Mitbewerber möglichst genau zu analysieren. So kannst Du relativ gut berechnen bei welcher Regelung Du unterm Strich mehr Gewinn erzielst.

Hast Du schon Erfahrungen mit der Kleinunternehmerregelung gesammelt oder gibt es noch etwas zu ergänzen? In jedem Fall freue ich mich auf deinen Kommentar 🙂

About The Author

Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

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