Wann wird Schwarmintelligenz zur Schwarmdummheit?

Wann wird Schwarmintelligenz zur Schwarmdummheit?

Der Begriff Schwarmintelligenz ist ein Schlagwort, welches ich häufiger höre bzw. lese. Die Wirtschaft bzw. zahlreiche Unternehmen haben die Intelligenz der Masse für sich entdeckt.

Zum Beispiel sind Kreativ-Marktplätze im Internet wie designenlassen oder 12designer auf dem Prinzip der Schwarmintelligenz aufgebaut und machen sicherlich gutes Geld mit der Leistung des Schwarms.

Ich will weder bestreiten, dass das Prinzip der Schwarmintelligenz funktioniert, noch will ich in diesem Blogbeitrag Selbständigen oder Unternehmern davon abraten, die Intelligenz der Masse zu nutzen. Das Prinzip der Schwarmintelligenz funktioniert in vielen Fällen und hat auch ganz gewiss Vorteile.

Mir geht es viel mehr darum, das Thema zu differenzieren und mögliche Nachteile herauszuarbeiten. Denn nicht immer läuft es mit der Intelligenz in Gruppen so gut wie es wünschenswert wäre.

Ein Experiment zur Schwarmintelligenz

Der Spiegel berichtete hier über ein Experiment zum Thema Schwarmintelligenz, das Dirk Helbig mit seinem Forscherteam an der ETH Zürich unternahm. In diesem Experiment stellte er 144 Studenten verschiedene Fragen. Es handelte sich dabei um Fragen zu bestimmten Daten, die die Studenten eher schätzen mussten als wissen konnten. Beispielsweise die Bevölkerungsdichte der Schweiz oder die Länge einer Landesgrenze in Kilometern.

Die Probanden wurden für das Experiment in zwei Gruppen aufgeteilt. In der einen Gruppe erfuhren die Studenten, nachdem sie ihre eigene Schätzung abgegeben hatten, den Durchschnittswert der anderen Probanden. In der anderen Gruppe bekamen die Studenten bereits vorher den durchschnittlichen Schätzwert der anderen.

Die Fragen wurden fünf Mal wiederholt. Es zeigte sich im Verlauf des Experimentes, dass sich die Schätzungen der einzelnen Probanden umso mehr denen der anderen Studenten anglichen, je mehr sie darüber wussten. Die am Anfang teilweise extrem weit auseinanderliegenden Werte verschwanden immer mehr. Obwohl sich die Schätzwerte anglichen, kamen die Studenten den tatsächlichen Werten aber keinesfalls näher.

Wann wird Schwarmintelligenz zur Schwarmdummheit?

Meine Erkenntnisse zur Schwarmintelligenz

Was können wir also aus diesem Experiment zur Schwarmintelligenz lernen und für uns an Erkenntnissen herausziehen? Grundlegend schließe ich daraus, dass zu viel oder zu früher Informationsaustausch eher kontraproduktiv für die Arbeit einer Gruppe sein kann.

Dazu ein kurzes Beispiel: Stelle dir vor, Du bist in einem kreativen Beruf tätig und sollst zusammen mit einem großen Team ein Logo für einen Kunden entwerfen. Einige Teamkollegen sind von der ganz schnellen Sorte und haben im Handumdrehen einen ersten Entwurf gefertigt, den sie sofort präsentieren. Jetzt ist die Frage, was ist mit den Kreativen, die einen Moment länger brauchen um eine Idee zu entwickeln?

Möglicherweise könnten diese durch die frühe Konfrontation mit den Entwürfen der anderen unbeabsichtigt mit den fremden Ideen „infiziert“ werden. Das bedeutet, die Bilder dieser wenigen ersten Entwürfe schwirren so sehr in den Köpfen des Teams herum, dass jegliche eigenen Ideen kaum eine Chance haben überhaupt zu keimen. Im Folgenden beschäftigt sich also das gesamte Team nur noch mit der Weiterentwicklung dieser ersten Ideen, sei es direkt oder indirekt.

  • Die Frage bleibt, was wäre herausgekommen, wenn jeder Einzelne erst einmal für sich allein ausgiebig Zeit gehabt hätte Ideen zu finden und auszuarbeiten?

Dieses Phänomen mit der Annäherung der Ergebnisse ist mir übrigens schon bei dem ein oder anderen Krativ-Marktplatz aufgefallen. Die Entwürfe der Kreativen wurden sich im Laufe des Projektes immer ähnlicher, was ich im Grunde aber auch gut nachvollziehen kann.

Dadurch, dass nämlich jeder alle Designs sehen kann, ist es sicherlich schwierig, sich der Beeinflussung zu entziehen. Das ist fast genauso, als wenn ich zu dir sage, denk nicht an rosa Pudel 😉 Natürlich denkst Du daran, auch wenn Du es gar nicht willst, oder?

Was also kannst Du tun um die Schwarmintelligenz optimal zu nutzen?

Ich denke es ist wichtig darauf zu achten, dass das Individuum ein solches bleibt und nicht zu sehr im Schwarm unter geht. Vor lauter Gruppenarbeit und im Team an einem Strang ziehen sollte ein Vorgesetzter nicht vergessen, auch den Einzelnen zu fördern.

Wenn ich nach dem genannten Experiment gehe, kommt es sicherlich zu einem großen Teil darauf an, den Informationsfluss intelligent einzuteilen. Nicht zu viel Information, nicht zu wenig und vor allem zur richtigen Zeit.

Eine genaue Schritt für Schritt Anleitung um das Optimum zu erreichen, habe ich noch nicht gefunden. Ich denke, das muss jedes Team für sich selbst herausfinden.

Wann wird Schwarmintelligenz zur Schwarmdummheit? – Das Fazit

Schwarmintelligenz und Teamarbeit kann viele neue und tolle Ideen bringen, aber wie fast alles, hat auch diese Medaille zwei Seiten. Die Intelligenz des Schwarms kann möglicherweise nur richtig zum Tragen kommen, wenn Du genannte Stolperfallen von vorne herein vermeidest.

Was ist deine Meinung über die Schwarmintelligenz? Welche Beobachtungen oder Erfahrungen hast Du bereits mit der Intelligenz der Masse gemacht? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar.

About The Author

Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

2 Comments

  • Markus

    14. Januar 2014

    Sehr interessant vor allem erinnert es mich an einen Artikel, welchen ich glaube in der Bild der Wissenschaft vor einigen Jahren gelesen zu haben. Damals beschäftigte man sich mit Brainstorming und stellte fest, dass dieses die Kreativität stark einschränken würde. Ich denke beides könnte auf der von dir beschriebenen Interaktion der Team-Mitglieder fußen.

  • Sylvia Grotsch

    14. Januar 2014

    Ich hatte während meines Studiums immer eine tiefe Aversion gegen „Gruppenarbeit“, die damals absolut „in“ war. Jetzt weiß ich wenigstens, warum :-).

    SG