Scrum - eine agile Projektmanagement- und Entwicklungsmethode

Scrum – oder was hat Rugby mit Projektmanagement zu tun? [Update]

Scrum ist ein Begriff aus dem Rugby und bedeutet wörtlich übersetzt Gedränge. In diesem Artikel geht es aber nicht um Rugby und auch nicht um Sport. Scrum ist in diesem Falle ein Vorgehensmodell um komplexe Projekte wie zum Beispiel Softwareentwicklungen zu realisieren. Es handelt sich um eine agile Projektmanagement- und Entwicklungsmethode, die sich dadurch auszeichnet, dass das entwickelnde Team sich selbst organisiert und eigenverantwortlich handelt.

Ich werde in diesem Artikel kurz und hoffentlich verständlich die Scrum-Methode zusammenfassen um dir einen ersten Einblick in dieses Entwicklungsmodell zu geben.

Die grundlegenden Scrum-Thesen

  • Komplexe und umfangreiche Projekte können nicht detailliert geplant werden und unterliegen stetiger Veränderung. Diese komplexen Entwicklungsprozesse sind mit klassischem Projektmanagement schwer bis kaum in den Griff zu bekommen. Scrum gibt deshalb nur einen groben Rahmen vor, in dem sich das Entwicklerteam bewegt. Innerhalb dieses Rahmens organisiert sich das Entwicklerteam selbst und arbeitet eigenverantwortlich am Projekt.
  • Innerhalb von höchstens 30 Tagen wird ein Ergebnis erzielt, also etwas Verwendbares entwickelt. Dieser Zeitraum wiederholt sich fortlaufend (Iteration) und wird als Sprint bezeichnet.
  • Im Laufe der Zeit und mit zunehmender Erfahrung verbessert das Team den Scrum-Prozess immer mehr und entwickelt seine Zusammenarbeit weiter.

Die drei Rollen im Scrum-Modell

Die Rollenverteilung beim Projektmanagement mit Scrum ist übersichtlich. Die Basis bildet das Projektteam, die weiteren Rollen bilden der Product Owner und der Scrum Master.

Der Product Owner

Der Product Owner ist entweder der Kunde selbst bzw. der Auftraggeber oder er vertritt den Kunden. Er trägt viel Verantwortung, denn er legt fest, was in einer Entwicklungsphase umgesetzt werden soll. Der Product Owner gibt die Anforderungen an das zu entwickelnde Produkt vor, allerdings hat er keinen Einfluss auf die Arbeitsweise des Entwicklerteams. Die Reihenfolge und die Details der einzelnen Schritte in der Produktentwicklung liegt in der Verantwortung des Teams.

Der Scrum Master

Der Scrum Master betreut das Team und bringt es mit dem Product Owner zusammen. Er ist der Experte für die Scrum-Methode und sorgt dafür, dass das Team die Abläufe einhält und verinnerlicht. Er sollte nicht mit einem Projektmanager verwechselt werden, denn sein Ziel ist es, entbehrlich zu werden. Der Scrum Master leitet das Team solange im Scrum-Vorgehensmodell an, bis es ihn nicht mehr braucht.

Das Projektteam

Das Projektteam organisiert sich und seine Aufgaben innerhalb eines Sprints selbst. Das ermöglicht ein Höchstmaß an Freiheit und das Team kann dadurch seine Kenntnisse und Kräfte am effizientesten einsetzen. Auf der anderen Seite trägt es aber auch die Verantwortung für den Erfolg eines Sprints. Es sollte am Ende etwas Brauchbares liefern.

Der Prozessablauf in Scrum

Am Anfang steht das Product Backlog. In diesem werden alle Anforderungen für das Projektziel festgelegt. Wichtig dabei ist, dass die Anforderungen nach Priorität sortiert werden. Der Product Backlog wird vom Product Owner gepflegt und aktualisiert.

Das Team wählt nun, unter Berücksichtigung der Priorität, aus dem Product Backlog diejenigen Anforderungen aus, die im bevorstehenden Sprint (die 30 Tage Zeiteinheit) umgesetzt werden sollen. Diese Anforderungen werden im Sprint Backlog zusammengefasst. Wie oben bereits erwähnt, ist hier die Eigenverantwortlichkeit und Selbstorganisation des Teams gefordert. Dieses verteilt die einzelnen Aufgaben ohne Einfluss von außen an die Teammitglieder. Im Team gibt es keine Rangordnung, jedes Mitglied trägt die gleiche Verantwortung.

Scrum - Das Entwicklerteam organisiert sich selbst

In täglichen Meetings, den sogenannten Daily Scrums, können sich die Teammitarbeiter austauschen und Probleme erörtern. Diese Sitzungen sollten 15 Minuten nicht überschreiten und möglichst am selben Ort und zur selben Zeit stattfinden.

Am Ende eines Sprints kommt es zur Produktabnahme durch den Product Owner. Das Produkt, bzw. die entwickelte Software wird Produktinkrement genannt und die Abnahme selbiger heißt Sprint-Review.

Bevor der nächste Sprint beginnt setzt sich das Team in der sogenannten Retrospektive zusammen und bespricht, was im letzten Sprint gut lief, welche Probleme es gab und was besser gemacht werden kann. Auf diese Weise werden die Erfahrungen und Erkenntnisse genutzt um die Entwicklung des Teams zu fördern und die Zusammenarbeit beständig zu verbessern

Schaubild der Scrum-Projektmanegementmethode

Die Vorteile beim Projektmanagement mit Scrum

Durch die gute Strukturierung, die Scrum bietet und die klar definierten Rollen ist es grundsätzlich einfach und schnell umzusetzen. Da das Team sehr viel selbständiger und eigenverantwortlicher agieret als in klassischen Entwicklungsmethoden, kann es in der Regel auch deutlich effektiver arbeiten und zu besseren Ergebnissen kommen.

Die täglichen kurzen Meetings und die anhaltende Kommunikation mindern Missverständnisse und dämmen die Fehlerquote ein. Der Prozessverlauf ist in Scrum erheblich flexibler als in herkömmlichen Entwicklungsprozessen, in denen die Planung und Dokumentation im Vordergrund stehen.

Nicht zuletzt ist die Motivationssteigerung im Team zu nennen, denn wer selbständig arbeitet und mehr Verantwortung trägt ist auch mit mehr Elan bei der Sache.

Die Nachteile beim Projektmanagement mit Scrum

Unter Umständen können die fehlenden Führungspositionen zu ungünstigen Gruppendynamiken im Team führen. Es gibt keine Garantie dafür, dass sich ein Team zusammenfindet, das gut und effektiv miteinander arbeitet.

Die Konzentration auf die menschliche Komponente wird bei Scrum zwar grundsätzlich als Vorteil angesehen, sie kann aber auch Ursache für Fehler sein. Zum Beispiel dann, wenn sich im Team kein Mitglied für Einzelheiten verantwortlich fühlt und sich ausschließlich alle nur auf ihre jeweilige Aufgabe konzentrieren.

Ein weiteres Problem kann eine eventuell mangelnde Gesamtübersicht sein, da das Projekt in Sprints abgehandelt wird, so dass das Endergebnis nicht den Erwartungen entspricht.

Mein Fazit zum Projektmanagement mit Scrum

Scrum kann einem Unternehmen oder Projekten zu ungeahnten und innovativen Ergebnissen verhelfen, aber diese Projektmanagement-Methode ist nicht unbedingt für alle Unternehmen geeignet. Ein Betrieb sollte für Scrum offen und bereit sein, denn das Vorgehensmodell muss für ein Projekt konsequent verfolgt werden oder es wird wahrscheinlich nicht funktionieren.

Für Scrum sind einige Voraussetzungen notwendig, wie einerseits die Bereitschaft von Führungskräften Verantwortung abzugeben und andererseits müssen passive Mitarbeiter selbständiger und handlungsfähiger werden. In einem Unternehmen, in dem die klassische „Hackordnung“ und eine vertikale Struktur fest etabliert sind, hat das Scrum-Modell eher wenig Chancen.

Welche Erfahrungen hast Du schon mit Scrum gemacht? Hältst Du Scrum für eine gute Projektmanagement-Methode, oder liegen dir andere Vorgehensweisen mehr? Ich freue mich auf deinen Komentar.

About The Author

Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

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