Verschieberitis oder Prokrastination - Was ist das?

Verschieberitis oder Prokrastination – Was ist das?

Gehörst Du zu den Menschen, die ständig sagen „Das hat noch Zeit“ oder „Das mache ich morgen“? Fallen dir meist nur Argumente gegen eine wichtige Tätigkeit ein, selten welche dafür? Erledigst Du Aufgaben oft erst dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist und mogelst dich gerade noch so durch?

Wenn das auf dich zutrifft, dann könntest Du unter Verschieberitis bzw. Prokrastination leiden.

Was ist Verschieberitis oder Prokrastination?

Die Prokrastination, umgangssprachlich auch Verschieberitis oder Aufschieberitis genannt, ist die wissenschaftliche Bezeichnung für ein pathologisches Aufschiebeverhalten. Du verschiebst notwendige Arbeiten immer wieder, anstatt sie frühzeitig zu erledigen. Das kann so weit gehen, dass Du es erst schaffst deine Aufgaben in Angriff zu nehmen, wenn es überhaupt nicht mehr anders geht.

[box] „Die Menschen, die etwas von heute auf morgen verschieben, sind dieselben, die es bereits von gestern auf heute verschoben haben.“

Peter Ustinov[/box]

Sehr ausgeprägt prokrastinierenden Studenten beispielsweise beginnen ihre Hausarbeiten erst knapp vor dem Abgabetermin. Zwei Tage und Nächte wird durchgeschrieben und irgendwie irgendetwas zusammengeschustert, damit der betroffene Student den Termin irgendwie noch einhalten kann.

In ganz schweren Fällen der Prokrastination kann es letztendlich dann doch zum Scheitern kommen.

Verschieberitis kann zwar die unterschiedlichsten Ursachen haben, das Symptom bleibt aber immer das gleiche – Aufgaben wiederholt ohne zwingenden Grund vor einen herschieben. Prokrastination kann auch eine Begleiterscheinung von Depression oder Burnout sein, denn gerade in solchen Situationen fällt den Betroffenen ein zielgerichtetes Handeln oft extrem schwer.

Durch Verschieberitis wird der Berg an Aufgaben immer höher

Ursachen der Verschieberitis

Für Prokrastination gibt es nicht die eine immer zutreffende Ursache, für Verschieberitis kann es verschiedene Gründe geben. Von Mensch zu Mensch können die Ursachen höchst unterschiedlich sein. Hier sind einige häufige Ursachen für Verschieberitis.

Vorbilder

Kennst Du es von deiner Familie vielleicht nicht anders, als dass deine Mutter oder dein Vater viel vor sich hergeschoben oder immer wieder wichtige Dinge auf morgen vertagt haben? Bei Menschen denen keine andere Verhaltensweise vorgelebt wurde, liegt es nahe, dass sie eine mögliche Verschieberitis in ihrer Jugend von ihren Eltern abgeschaut und übernommen haben.

Es kann aber auch der andere Fall gewesen sein. Nämlich, dass die Eltern immer sehr korrekt und überpünktlich mit allen Angelegenheiten waren. Was im Grunde ein gutes Vorbild sein sollte, nur in manchen Fällen kann die Sache einen Haken haben und den Sprössling zum gegenteiligen Verhalten verleiten. Und zwar dann, wenn sich die Pünktlichkeit und der Arbeitsfleiß negativ auf das Familienleben auswirkte.

Zum Beispiel durch zu wenig Zeit, durch ständige Ungeduld usw. Die nächste Generation beschließt dann, es anders zu machen als die Eltern und verfällt dabei oft in das andere Extrem. Derjenige entwickelt eine Prokrastination, nur um genug Zeit für seine Familie zu haben.

Perfektionismus

Viele Menschen wollen immer alles perfekt machen. Weil sie glauben, dass ihnen etwas nicht gut genug gelingen wird, schieben sie es lieber vor sich her. Stattdessen machen sie dann lieber die Dinge, die sie perfekt beherrschen. Manchmal kann aber auch die Angst davor, die Aufgabe nicht perfekt meistern zu können so groß sein, dass sie erst gar nicht anfangen.

Möglich ist auch, dass diese Perfektionisten eine Arbeit zwar beginnen, aber dann schnell wieder fallen lassen und verschieben, sobald sie merken, dass die Arbeit ihnen nicht optimal von der Hand geht.

Angst

Die Angst davor, etwas nicht perfekt zu machen, habe ich im vorhergehenden Absatz bereits angesprochen. Es sollte klar sein, dass es in der Regel nicht möglich ist, etwas wirklich absolut perfekt zu erledigen. Es gibt meist immer eine Kleinigkeit, zumindest ein winziges Detail, was man hätte besser machen können.

Der Perfektionist läuft also häufig Gefahr seine Aufgaben zu prokrastinieren, eben weil Perfektionismus ein unrealistisches und kaum zu erreichendes Ziel darstellt.

Eine weitere ernst zu nehmende Angst die häufig zu Verschieberitis führt, ist die generelle Angst vor dem Versagen. Hierbei ist der Anspruch nicht unbedingt gegeben, etwas möglichst perfekt zu machen, aber immerhin in einer angemessenen und akzeptablen Weise. Die Angst vor dem Versagen kann dabei die Betroffenen so sehr lähmen, dass sie sich nicht an die Aufgabe herantrauen und sie immer wieder verschieben.

Angst als Ursache von Prokrastination (Verschieberitis)

Auch die Angst davor die falsche Entscheidung zu treffen, zieht häufig eine Verschieberitis nach sich. Die Betroffenen grübeln zwar die ganze Zeit darüber nach, wie sie sich entscheiden sollen, gehen aber zwangsläufig die Sache nicht an, weil einfach die notwendige Entscheidung fehlt.

Solche Menschen „überschlafen“ ihre Entscheidung manchmal so lange, bis sie sich nicht mehr entscheiden müssen. Dann hat das Umfeld letztendlich eine Entscheidung herbeigeführt oder die ganze Sache ist im Sande verlaufen.

Ablenkung

Viele Menschen neigen dazu Aufgaben zu verschieben, nicht nur weil sie unangenehm sind, sondern weil es immer etwas gibt, was interessanter ist.
Häufig sind es die neugierigen und aufgeschlossenen Menschen, die für sie interessanten und unerwartet auftauchenden Informationen nicht widerstehen können. Ein häufiger Gedanke dabei ist, dass später immer noch die Zeit da ist die Aufgabe zu erledigen.

Nicht Nein sagen können

Wer Aufgaben oder Arbeiten annimmt, die er im Grunde gar nicht machen möchte, kommt eher in die Versuchung diese Dinge zu verschieben. Derjenige hat sich dadurch manchmal auch mehr Arbeit aufgehalst, als er zeitlich bewältigen kann, nur weil er unfähig ist Nein zu sagen.

Die Fremdaufgaben sind in der Regel für viele Menschen sehr viel weniger wichtig als die eigenen Erledigungen. Durch die geringere Priorität landen diese Gefälligkeitsarbeiten dann immer wieder am Ende der To-do-Liste.

Wer ist besonders anfällig für Prokrastination?

Menschen, die ihre Zeit frei einteilen können, sind prädestiniert für Prokrastination. Wenn wenig Druck dahinter steht und keine Meilensteine vorgegeben werden, dann ist es ein Leichtes, Aufgaben immer wieder zu verschieben. In diese Kategorie fallen zum Beispiel Studenten, Selbständige oder Freiberufler.

Zwar gibt es auch für diese Personengruppen Abgabetermine – für die fertigen Hausarbeiten, für die fertiggestellten Projekte usw. – aber bis zu diesem Zeitpunkt X kann fleißig verschoben werden.

Die oben beschriebene Situation der prokrastinierenden Studenten, die ihre Hausarbeit auf den allerletzten Drücker in einem 48-Stunden-Marathon direkt vor dem Termin hektisch zusammenschreiben, ist dafür ein gutes Beispiel.

Der Weg zur Prokrastination oder Verschieberitis

Kannst Du Verschieberitis wirksam bekämpfen?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Prokrastination ist nicht leicht zu behandeln und kann ähnlich problematisch sein, wie die Behandlung einer Depression oder anderen psychischen Störungen.

Professor Joseph Ferrari, einer der weltweit führenden Experten für Prokrastination, sagt zu diesem Thema: Prokrastination ist kein Problem von Zeitmanagement oder Planung. Jemandem der prokrastiniert zu sagen, er solle sich einen Wochenplaner kaufen, ist so wie jemandem mit einer chronischen Depression zu sagen, er solle einfach fröhlich sein.

[box] „Telling someone who procrastinates to buy a weekly planner is like telling someone with chronic depression to just cheer up“[/box]

Die Verschieberitis kann in schweren Fällen das Leben stark beeinträchtigt und eine Besserung ist oft schwierig zu erreichen. Dennoch gibt es einige Tipps und Ansatzpunkte um der Verschieberitis entgegen zu wirken, die ich dir natürlich nicht vorenthalten will. Diese Tipps gegen Prokrastination erscheinen morgen in einem weiteren Blogartikel.

Fazit zur Verschieberitis

Die Prokrastination ist ein sehr interessantes aber auch komplexes Thema.

Leidest Du selbst unter dieser vermaledeiten Verschieberitis oder kennst Du jemanden? Hast Du vielleicht schon eine eigene Strategie entwickelt, um nicht zu viel zu verschieben? Oder verschiebst Du nur hin und wieder und kommst damit gut zurecht?

Ich freue mich auf deine Meinung und deine Erfahrungen mit der Verschieberitis.

About The Author

Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

1 Comment