Zeitungen untersagen Google News den Zugriff

Zeitungen untersagen Google News den Zugriff

Am Sonntag bin ich über eine Nachricht gestolpert, die mich zum schmunzeln gebracht hat. In Brasilien haben sich 154 nationale Zeitungen von der Nachrichtenseite Google News verabschiedet. Die Zeitungen sind dem Aufruf ihres Zeitungsverbandes ANJ gefolgt und verbieten nun Google News jegliche Überschriften und Snippets von den Internetseiten der Zeitungsverlage für die Auflistung auf der Google News Seite zu verwenden.

Spontanes Unverständnis machte sich daraufhin bei mir breit – wie zum Kuckuck kommt man denn auf die wahnwitzige Idee bei Google News nicht mehr gelistet werden zu wollen?

Die Zeitungen wollten von Google News bezahlt werden

Zur Vorgeschichte: Der brasilianische Zeitungsverband fordert seit geraumer Zeit von Google für Inhalte der Zeitungen die bei Google News gezeigt werden zu zahlen. In der Regel sind das Überschriften und Artikelanfänge. Google weigerte sich jedoch vehement auch nur einen Heller an die Zeitungsverlage zu zahlen. Für mich ist die Haltung von Google ohne weiteres nachvollziehbar, denn die Listung in den Google News bringt meines Erachtens einiges an Besuchern – etwas, dass jeder Webmaster begehrt. Die Vermittlung von Besuchern ist eine Sache mit der natürlich auch Google argumentiert. „Google News bringt weltweit Milliarden Klicks auf Nachrichtenseiten“, sagte Marcel Leonardi, Googles Public Policy Director laut BBC News.

Laut Zeitungsverband schadet Google News nur

Der Zeitungsverband ANJ sieht das mit dem Mehr an Besuchern jedoch völlig anders. „Bei Google News zu bleiben hat uns nicht dabei geholfen, mehr Online-Leser zu bekommen, im Gegenteil“ zitiert BBC News den Präsidenten des Verbandes, Carlos Fernando Lindenberg Neto. Und weiter heißt es, dadurch dass der Google News Service die ersten Zeilen der jeweiligen Artikel anzeigt, haben die Nutzer kein Interesse mehr auf die Originalseite zu gehen und den gesamten Text zu lesen.

Dieses Argument ist für mich allerdings ziemlich aus der Luft gegriffen – ich glaube eher, dass die User in manchen Fällen nicht zur Originalseite surfen, weil sie die ersten Zeilen des Artikels nicht interessant und vielversprechend genug finden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass zwei, drei Zeilen Text ausreichen um eine Information ausführlich und in vollem Umfang darzustellen. Jedenfalls mache ich es so, dass ich die Google News überfliege und wenn ein Link interessant klingt, klicke ich auch – wenn nicht, dann klicke ich nicht, ganz einfach. Es ist mir jedenfalls noch nicht passiert, dass ich aus einem Snippet schon so viel Information erhalten habe, dass ich nicht weiter klicken müsste.

Zusammengefasst begründen der brasilianische Zeitungsverband und seine Mitglieder die Entscheidung aus Google News auszusteigen also damit, dass Google nichts zahlt und obendrein auch noch für die Originalseiten der Zeitungen von Nachteil sein soll.

Das Ringen um das Leistungsschutzrecht

Mit der gleichen Thematik, dem sogenannten Leistungsschutzrecht, beschäftigen sich auch Presseverlage in Deutschland. Das Leistungsschutzrecht soll den Presseverlagen zusätzliche Einnahmen in die Kassen spülen, indem für Textauszüge die zur Verlinkung genutzt werden gezahlt wird. Ich habe das Leistungsschutzrecht in meinem Artikel Das Leistungsschutzrecht – wird bald alles anders im Internet? bereits im Juni diskutiert.

Ich bin fest der Ansicht, dass die Presseverlage, ob nun in Brasilien oder sonstwo auf der Welt, ganz fürchterlich mit ihrer Haltung gegenüber Google, Google News und allen anderen Verlinkungswilligen ganz fürchterlich auf die Nase fallen werden.

Genau das ist auch schon geschehen: Google wirft belgische Seiten aus dem Index. Belgische Zeitungsverlage haben letztes Jahr ihren Willen bekommen und sind aus Google News verschwunden – anscheinend waren sie aber auch nicht so recht glücklich damit. Denn Google ist auf Nummer sicher gegangen und hat die betreffenden Zeitungen auch aus dem Google Index genommen. Google folgte damit ganz genau dem Richterspruch nach einem lange andauernden Rechtsstreit, den Google in letzter Instanz verlor. Denn um weitere Klagen wegen Urheberrechtsverletzung sicher zu vermeiden, waren jegliche Textausschnitte, seien sie auch noch so klein, gar nicht mehr in den Suchergebnissen aufzufinden. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie die Besucherzahlen der Websites der Zeitungen eingebrochen sein müssen.

Fazit:

Mir drängt sich der Eindruck auf, als hätten die Verleger und ihre Verbände noch nicht verstanden wie das Internet funktioniert. Man kann zum Beispiel nicht verlangen, dass die User immer brav direkt zur betreffenden Website oder Blog der Zeitung surfen, ohne Umwege über Google. Die User machen, was sie wollen und nehmen keine Rücksicht auf irgendwelche Befindlichkeiten der Presseverlage. Und auch Google, wie im Falle der belgischen Zeitungen demonstriert, wird sich nicht knebeln lassen sondern funktioniert auch wunderbar ohne die betreffenden Websites der Zeitungen aufzulisten.

Was denkst Du über diese Vorgehensweise der Presseverlage? Findest Du die Forderungen übertrieben oder bist Du eher der Meinung, dass Google News und andere Seiten für die Nutzung von Titel und Textausschnitten zum Zwecke der Verlinkung etwas zahlen sollten?

About The Author

Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

3 Comments

  • Max

    31. August 2014

    Hi Diana,
    ich bin mit meiner Mini-Zeitung Strandgazette.com seit Anfang des Jahres bei Google News gelistet. Seitdem konnte ich meine Besucherzahlen dauerhaft verdreifachen. Bei guten Artikeln kommt es sogar schon mal vor, dass ich vor die großen Zeitungen wie Spiegel, Focus etc. rutsche. Auf einen Schlag habe ich auf einmal tausende Leute auf meiner Seite.
    Wie man auf die Idee kommen könnte Google News auszusperren, hat sich mir auch noch nicht erschlossen. Meiner Meinung ist das sowas wie wirtschaftlicher Selbstmord. Da scheinen echt noch eine ganze Menge ältere Herren aus der Offline-Zeit das sagen zu haben. Anders kann ich mir das nicht vorstellen.
    Grüße
    Max

  • Diana Ludwig

    1. September 2014

    Hallo Max,

    vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht 🙂

    Ja, Google News ist als Trafficbringer nicht zu unterschätzen, was Du uns mit deiner Erfahrung betätigst.
    Es ist mir immer noch ein Rätsel, welcher Verantwortlicher nur auf die Idee kommen könnte Google News nicht nutzen zu wollen.

    Viele Grüße
    Diana

  • Max

    1. September 2014

    Hi Diana,
    ich bin der festen Überzeugung, dass es sich hierbei um Verantwortliche älterer Jahrgänge handelt, die das Internet nur aus ARD-Dokus kennen. #neuland 🙂
    Grüße
    Max