Der Goldene Schnitt im Webdesign

Wer sich ein wenig mit Gestaltung beschäftigt, kommt am Goldenen Schnitt nicht vorbei. Der Goldene Schnitt gehört ebenso zu den Grundlagen von Design in jeglicher Form, wie die Gestaltgesetze. Das was in der Malerei, im Industriedesign oder für den Druck von Werbematerial zum wesentlichen Handwerkszeug gehört, muss das auch im Webdesign seinen festen Platz haben? Aber zuerst einmal die Erläuterung zu dieser Gestaltungsregel.

Was ist der Goldene Schnitt?

Der Goldene Schnitt bezeichnet eine bestimmte Aufteilung einer Strecke oder einer Fläche. Das Verhältnis dieser Aufteilung beträgt 1:1,618. Das bedeutet der kleinere Teil verhält sich zum größeren Teil  genau so wie der größere Teil zum Ganzen.

Dieses Verhältnis lässt sich in der Natur in vielen Dingen wiederfinden, zum Beispiel in der Aufteilung eines Blattes oder Blüte, in einem Schneckenhaus oder am menschlichen Körper im Längenverhältnis des Oberkörpers (vom Scheitel bis zum Bauchnabel), zum Unterkörper (vom Bauchnabel bis zu den Fußsohlen).

Wir sind also bereits seit Urzeiten vom Goldenen Schnitt umgeben, vielleicht wirkt er gerade deshalb auf uns so harmonisch und ästhetisch. Wegen dieser Harmoniewirkung findet der Goldene Schnitt in der Kunst, Fotografie, Architektur und in den meisten Kreationen des Menschen immer wieder Anwendung.

Es gibt unzählige Tutorials, Bücher und Artikel, die den Goldenen Schnitt zum Thema haben. Auch im Webdesign wird von dem ein oder anderen dieses Gestaltungsprinzip eingebracht. Natürlich sollen die Websites gut aussehen, ästhetisch und harmonisch sein, das ist eines der wichtigen Ziele eines Webdesigners. Wirkt die Website nicht ansprechend auf den Besucher, ist die Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches geringer, dass er länger bleibt oder gar wiederkommt.

Nur ist der Goldene Schnitt das geeignete Mittel, die Website ansprechend zu gestalten oder sollte doch besser darauf verzichtet werden?

Aufteilung der Website nach dem Goldenen Schnitt

Angenommen wir wollen eine durchschnittliche zweispaltige Website von einer Breite von 1000 Pixeln nach dem Prinzip des Goldenen Schnitts aufteilen, dann sähe das in etwa so aus: die kleinere der beiden Spalten hätte eine Breite von 382 Pixeln und die größere Spalte eine Breite von 618 Pixeln.

Die schmalere Spalte wäre dann für das Navigationsmenü prädestiniert, die größere Spalte für den Inhalt. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was soll mit so einem breiten Navigationsmenü angefangen werden – entweder werden die Links so gestaltet, dass gleich eine Beschreibung der dahinterliegenden Inhalte bei den einzelnen Punkten dabei steht um die Fläche irgendwie zu füllen, oder die Links sehen halt auf der für eine Linkleiste normalerweise zu großen Fläche sehr verloren aus.

In der anderen Spalte würde der Inhalt unter Umständen hinein gequetscht wirken, je nachdem um wie viel Text und eventuelle Bilder es sich handelt. Außerdem würde durch eine stark unterschiedliche Ausnutzung der Flächen eine Disharmonie entstehen.

Bis hierhin haben wir den Goldenen Schnitt nur auf die Horizontale angewendet und haben dadurch unsere Bereiche für die Navigation und für den Content erhalten. Gehen wir nun noch einen Schritt weiter und wenden den Goldenen Schnitt auch in der Vertikalen an, um einen weiteren Bereich für unseren Header zu bekommen.

Mögliche Aufteilung einer Website nach dem Goldenen SchnittWie Ihr in der Grafik sehen könnt wird es nun recht schwierig, wie können diese Flächen am Besten genutzt werden?

Bei einer solchen Aufteilung würde der Besucher, je nachdem wie seine Browsereinstellungen sind und welche Auflösung sein Monitor hat, bei Aufruf der Website quasi nur den Header sehen, was ebenso bedeutet, der Goldene Schnitt würde bei ungünstiger Monitorauflösung in der Vertikalen gar nicht wahrgenommen werden können.

Bliebe noch die Gesamtgröße der Site zu verkleinern, was wiederum immenses Buchstabengedränge zur Folge haben könnte. Außerdem würde eine beliebige Fortsetzung des Inhalts nach unten den Goldenen Schnitt sprengen, eine strikte Einhaltung der Längenbegrenzung wäre eine schwerwiegende Einschränkung.

Ich will den Goldenen Schnitt für das Design einer Website auch nicht verteufeln. Ich habe im obigen Beispiel eine besonders ungünstige Anwendung des Goldenen Schnitts beschrieben, einfach um deutlich zu machen, dass ein konsequenter Einsatz nicht unbedingt von Vorteil ist. Aber wie so oft im Leben gibt es auch hier mehr Grautöne als schwarz oder weiß.

Eine Aufteilung in der Breite nach diesem Verhältnis ist für die ein oder andere Website sicherlich eine gute Möglichkeit der Gestaltung, zum Beispiel für zweispaltige Blogs. Auch einzelne Bereiche der Website so zu proportionieren können hier und da sinnvoll sein um die gesamte Seite harmonischer wirken zu lassen.

Fazit:

Im Print-Design und auch in anderen Bereichen funktioniert der Goldene Schnitt wunderbar, für das Webdesign ist er nicht immer geeignet.

Der Goldene Schnitt muss im Webdesign nicht um jeden Preis eingesetzt werden. Die Usability und der Content einer Website stehen nach wie vor ganz oben an erster Stelle und wenn diese nicht darunter leiden, dann ist auch Platz für den Goldenen Schnitt.

About The Author

Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

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