Schwarzarbeit im Internet – Kavaliersdelikt oder ein echtes Problem?

Schwarzarbeit im Internet – Kavaliersdelikt oder ein echtes Problem?

Es ist einer dieser Tage, ein potentieller Kunde ruft an und erkundigt sich nach den Kosten einer Website, nach der Möglichkeit der Suchmaschinenoptimierung oder nach anderen Dienstleistungen die im Internet angeboten werden.

Du fängst an mit der Erstberatung, schreibst vielleicht noch ein Angebot und mit ein wenig Glück lehnst Du sogar sträflich andere Anfragen ab, da Du den neuen Auftrag schon in trockenen Tüchern wähnst.

Dann passiert es, ein Anruf, ein kurzer Satz mit dem Inhalt: „Ich habe mich mit einem Bekannten, Freund, Schwippschwager unterhalten, der macht das für mich weitaus günstiger ohne Rechnung. Vielen Dank für ihre Mühe *klick aufgelegt*“. Der Schock sitzt im ersten Moment natürlich tief.

Diese Geschichte über Schwarzarbeit im Internet ist nur eine von vielen Möglichkeiten mit denen Selbständige im Web konfrontiert werden können. Und vielleicht kommt Dir diese sogar bekannt vor?

Schwarzarbeit im Internet ist allgegenwärtig

Wenn es Fernsehberichte gibt über Schwarzarbeit, sieht man meist Razzien im Baugewerbe wo spektakulär ganze Gebiete abgesperrt werden oder die Kontrollen im Gastgewerbe. Dabei wächst seit Jahren die Schwarzarbeit im Internet gefühlt exponentiell und es scheint als wenn die meisten Menschen nicht einmal ein Gefühl des Unrechts dabei haben.

Das Schlimme ist, dass Schwarzarbeit von vielen Unternehmern im Internet auch noch gefördert wird. Gerade sogenannte Crowdsourcing Portale die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen sind ein Paradies für alle Art von Personen die nebenbei die klamme Geldbörse etwas auffüllen möchten.

Doch auch Handwerksbörsen oder Auktionshäuser bieten eine wunderbare Plattform um schnell und einfach etwas Geld nebenbei zu verdienen.

Egal ob komplette Webdesigns für 200 Euro angeboten werden oder 10000 Backlinks für 5 Euro. Das Geschäft mit dem illegalen Nebenverdienst boomt und die Qualität der Arbeiten scheint nur noch sekundär zu sein. Die Kontrolle ob eine Gewerbeanmeldung vorliegt ist entweder gar nicht vorhanden oder wird nur halbherzig durchgeführt.

Aus der Sicht der Portale eine ganz normale Verhaltensweise, schließlich wird Geld durch die Vermittlung und Gebühren verdient. Je stärker die Kontrollen sind, desto mehr können potentielle Geldquellen versiegen und wer hat daran schon Interesse?

Schwarzarbeit im Internet ist verlockend

Während für viele Berufe ein eigenes Büro benötigt wird, verschiedene Werkzeuge und Materialien, scheint die Selbständigkeit im Internet schnell realisiert. Ein eigener PC, ein Breitband-Internetanschluss ist in der Regel schon vorhanden und die benötigte Software wird einem in den vielen Tauschbörsen ohne großen Aufwand zur Verfügung gestellt.

Wer dann nach schnellen Jobs im Internet sucht die einem ein paar Euros versprechen, wird mit Leichtigkeit fündig. Dabei wird jedoch vergessen, dass sich der junge Skywalker gleich auf verschiedene Weise auf den Pfad der dunklen Macht begibt.

Neben der unrechtmäßige Verwendung von Software die nicht ordnungsgemäß lizensiert wurde, kommt auch noch Steuerhinterziehung hinzu und oftmals Missbrauch von Leistungen die in Form von Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe genossen werden.

Schwarzarbeit kostet nicht nur dem Staat Geld

Die Schäden die jedes Jahr durch Schwarzarbeit entstehen gehen in die Milliarden. Doch selbst wenn einem der Blick auf Vater Staat egal sein sollte, gilt für jeden der Schwarzarbeit in Anspruch nimmt – es kann teuer werden.

Wer sich unter der Hand helfen lässt hat keinen Anspruch auf gesetzliche Garantien und/oder Anrecht auf Erfüllung der Leistung. Wer Schwarzarbeit in Anspruch nimmt, muss, bis auf wenige Ausnahmefälle, auf den Schutz von Vater Staat verzichten.

Denn wo kein ordnungsgemäßer Vertrag, dort ist auch kein Rechtsanspruch vorhanden. Wer also kein Glück mit dem Auftragnehmer hat, der steht am Ende mit einem mangelhaften Produkt und ohne Geld da. Nebenbei kann es dem Auftragnehmer genauso gehen.

Die Leistung ist erbracht worden, doch der Auftraggeber zahlt nicht. Wer sich trotzdem denkt „wo kein Risiko, da ist auch kein Spaß“ sollte bedenken, wer der Schwarzarbeit überführt wird riskiert Geldstrafen von bis zu 300.000 Euro oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren. Gleichzeitig gilt man als vorbestraft.

Selbständigkeit im Internet als Nebenerwerb anmelden

Wer sich im Internet selbständig machen möchte, sollte seine Tätigkeit ordnungsgemäß anmelden und Einnahmen korrekt beim Finanzamt oder Arbeitsamt angeben. Mit der richtigen Geschäftsidee stehen einem sogar Fördergelder zu. Die Selbständigkeit kann dann ein echtes Karrieresprungbrett werden, ohne dass einem die ständige Angst begleitet erwischt zu werden.

Zudem ist der potentielle Kundenkreis um einiges größer, wenn ein Gewerbe vorliegt und ordnungsgemäße Rechnungen erstellt werden können. Weiterhin ist man rechtlich auf der sicheren Seite, wenn Auftragnehmer einem den verdienten Lohn vorenthalten wollen.

Schwarzarbeit im Internet – das Fazit:

Schwarzarbeit ist nicht nur im Internet kein Kavaliersdelikt. Jeder der illegal beschäftigt oder Aufträge erledigt schadet dem Staat und damit der Gesellschaft. Zwar ist es bei vielen verpönt Schwarzarbeit zu melden, schließlich will keiner eine Petze sein, doch das ist grundlegend eine falsche Einstellung zum Thema.

Schwarzarbeit zu melden ist eine Bürgerpflicht die jeder nachkommen sollte.  Schwarzarbeit ist Wirtschaftskriminalität, schadet dem Wettbewerb, gefährdet Arbeitsplätze und ist Betrug an uns allen.

About The Author

Andreas Meyhöfer

Wirtschaftsinformatiker (B.Sc.), Fachinformatiker (AE), Verlagskaufmann, Blogger, BTX-Kind und Käsekuchenliebhaber. Immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. Du findest mich auch bei Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

2 Comments

  • David Engmann

    24. Juli 2014

    Hier ist meine Meinung dazu:
    Schwarzarbeit – warum man sie melden sollte
    Bei der Schwarzarbeit handelt es sich um die illegale Beschäftigung mit unterschiedlichen Tatbeständen. Durch Schwarzarbeit entstehen der Wirtschaft und dem Staat jährlich Verluste in dreistelliger Milliardenhöhe. Daher nimmt der Staat die Bekämpfung von Schwarzarbeit sehr ernst.
    Ich habe auch einige Poststücke zum Amt geschickt.