Selbständig machen Ratgeber – Bist Du bereit für die Selbständigkeit?

Wir leben in einer Zeit in der fast jeder Gefahr läuft seine finanzielle Absicherung zu verlieren.

Heute hat man noch einen guten Job mit einem guten Gehalt und 12 Monate später kann man sich mit viel Pech Hartz IV Empfänger nennen.

Vor der Arbeitslosigkeit ist kaum noch einer geschützt, egal ob erfolgreich ein Studium absolviert, der Weg der Berufsausbildung eingeschlagen wurde oder ob man eine ungelernte Arbeitskraft ist, die sich mit „learning by doing“ ihre Jobposition erarbeitet hat.

Oft sind es dann die vielen erfolglosen Bewerbungen die einen dazu bewegen sich selbständig zu machen.

Andere Menschen sind einfach unzufrieden mit der Gesamtsituation in ihrem Beruf. Sei es weil es keine Perspektiven gibt auf der Karriereleiter, die Möglichkeit viel Geld zu verdienen zu gering ist oder aus dem einfachen Grund, weil der Chef einfach nur nervt.

Diese Menschen wollen aus ihrem angestammten Job einfach nur raus und versuchen sich selbständig zu machen um ihre Wünsche und Träume zu verwirklichen.

Desweiteren hat sich in den letzten 10 Jahren der Arbeitsbereich für Selbständige extrem erweitert, dem Internet sei Dank. Immer mehr potentielle Selbständige entdecken das Medium Internet für sich, um als Einzelunternehmer oder Freiberufler seine Dienstleistung anzubieten.

Scheinbar war es noch nie so einfach, sein eigenes Geld zu verdienen und als Selbständiger sein eigener Chef zu werden.

Ein weiterer Vorteil in der heutigen Zeit ist, dass durch verschiedene staatliche Zuschüsse einem der Weg in die Selbständigkeit versüßt und auf dem ersten Blick erleichtert wird.

Die Hauptgründe warum sich viele Menschen selbständig machen sind:

  • Den Weg aus der Arbeitslosigkeit suchen
  • Mehr Geld verdienen
  • Eigene Ideen verwirklichen / Selbstverwirklichung
  • Den eigenen Erfolg planen können
  • Die freie Zeit- und Arbeitseinteilung
  • Unabhängigkeit
  • Förderung vom Arbeitsamt / anderen stattlichen Stellen

Es gibt sicher noch viele viele weitere Gründe warum sich in die Existenzgründung gestürzt wird. Doch leider verkennen viele Existenzgründer, dass der Weg in die Selbständigkeit kein Selbstläufer ist und der Weg mit vielen Hindernissen, Arbeit, Verzicht und Rückschlägen gepflastert ist.

„Einfach“ mal selbständig machen ist selbst mit der besten Idee nicht sinnvoll und der Weg in die berufliche Unabhängigkeit sollte nicht nur geplant werden, viel wichtiger ist, sich selber am Anfang genau zu hinterfragen ob man für die Selbständigkeit geeignet ist.

Eine ehrliche Selbstreflektion vor dem eigentlichen Start der Gründung kann einem viel Zeit, Geld und Ärger ersparen.

Risiken der Selbständigkeit

Der Gedanke an die Selbständigkeit kann einen sehr schnell euphorisch werden lassen. Euphorie ist dabei eine gute und wichtige Sache, jedoch muss man immer bedenken, dass die Selbständigkeit auch große Risiken birgt, welche schon im Vorfeld genau betrachtet werden müssen.

Viele scheitern mit der Existenzgründung aufgrund mangelhafter Risikoanalyse – die berühmte rosarote Brille schlägt hier des öfteren zu. Folgende Punkte lassen Firmengründungen nach geraumer Zeit scheitern:

  • Kaufmännische Kenntnisse sind kaum bis gar nicht vorhanden
  • Grundkapital ist kaum bis gar nicht vorhanden
  • Mangelhafte Businesspläne
  • Keine Berufserfahrung
  • Mangelndes Branchen-Knowhow
  • Die allgemeine höhere Belastung wurde unterschätzt

Folgende Fragen sollte man sich vor der Existenzgründung stellen:

Ich kann mich selber und andere immer wieder neu motivieren

Als Angestellter ist es leicht zu sagen – ich habe keine Lust. Wenn an einem Tag mit halber Kraft gearbeitet wird, bleibt das Gehalt am Ende des Monats meist das Gleiche. Als eigener Chef ist ein Nullbocktag ein verlorener Tag. Auch Mitarbeiter und Kunden „spüren“ eine negative Haltung und nehmen diese unbewusst an. Eigen- und Fremdmotivation ist ein wichtiger Faktor für die Selbständigkeit.

Ich lerne gerne dazu und erweitere ständig meine Kenntnisse

Das was Du heute gelernt hast, kann morgen schon wieder veraltet sein. Die Selbständigkeit ist ein ständiger Lernprozess. Stillstand bedeutet hier immer Rückschritt. Du hattest in der Schule oder in der Ausbildung keine Lust Dich regelmäßig und eigenverangwortliche Weiterzubilden? In der Selbständigkeit kommst Du nicht darum herum.

Ich arbeite wenn nötig „24 Stunden – 7 Tage die Woche – 365 Tage im Jahr“

Gerade als sogenannter StartUp wird viel Arbeit auf Dich zukommen. Du wirst feststellen, dass anfallende Arbeiten kein Ende finden und wirst Dir teilweise wünschen der Tag hätte 72 Stunden. Die 40 Stunden-Woche oder 20 Tage Urlaub zzgl. Wochenenden und Feiertage sind als Selbständiger, gerade in der Gründungszeit, reine Utopie. Es sei denn Du möchtest, dass deine Mitbewerber dich überholen.

Ich kann mit Stress umgehen

Nun arbeitet man schon wie ein Ackergaul, versucht Kunden, Zulieferer und Mitarbeiter zufrieden zu stellen und trotzdem wird man aus irgendeiner Ecke torpediert. Nun heißt es ruhig Blut zu bewahren. Stress darf einen nicht umwerfen, denn dann macht man Fehler, die einem als Selbständiger Kunden und Geld kosten können.

Ich erfinde mich immer wieder neu und bin fremden Dingen aufgeschlossen

Gibt es nicht, gibt es nicht. Neben dem ständigen Drang Neues zu erlernen, ist es auch wichtig alte Regeln aufzubrechen und innovative Wege zu gehen. Wenn man immer nur im Windschatten anderer läuft, wird es über die Jahre schwer seiner Firma eine eigene Identität zu geben. Querdenker und Menschen mit innovativer Denkweise kommen oft schneller voran und haben gegenüber ihrer Konkurrenz oftmals einen entscheidenden Vorteil.

Entscheidungen zu treffen fällt mir leicht

Ein Chef muss entscheiden können und wenn diese Entscheidungen auch noch so unangenehm sind. Wer everybodys Darling sein möchte, hat in der Selbständigkeit einen schweren Stand. Aber auch bei finanziellen Investitionen oder bei Aufträgen, die ein unbekanntes Risiko beinhalten können, bedarf es das ein oder andere Mal einer schnellen Entscheidung. Wer zu lange zögert kann Chancen vertun.

Ich erledige auch unangenehme Dinge zuverlässig

Unangenehm kann nicht nur das Kündigen von Personal sein, auch Arbeiten die nicht gerne erledigt werden, wie zum Beispiel die berühmte Ablage können als unangenehm empfunden werden. Hier gilt es diese sofort zu erledigen – ganz nach dem Motto „wat mut, dat mut“. Wenn Du solche Dinge lieber aussitzt oder immer wieder vor Dir herschiebst, wirst Du als Selbständiger über kurz oder lang scheitern.

Fehlschläge ermutigen mich, noch besser zu werden und noch härter zu arbeiten

Fehler machen wir alle, keiner ist unfehlbar. Doch viele können mit Rückschlägen nicht umgehen und geben auf. Gehörst Du auch dazu oder bist der Mensch „jetzt erst recht“. Mund abputzen und weiter machen gehört zur Grundeinstellung eines Selbständigen.

Ich bin kritikfähig

Mein Wort ist Gesetz, schließlich hat man sich selbständig gemacht weil man sich nicht mehr bevormunden lassen will. Weit gefehlt, als Selbständiger musst Du noch weitaus offener für Kritik sein, als wenn du angestellt wärst. Kritik bringt dich voran und verhindet das Du selbstgefällig oder betriebsblind wirst. Siehst Du Kritik als Chance und nicht als Angriff, hast Du eine weitere Eigenschaft, die du als Selbständiger brauchst.

Meine Familie unterstützt mich im vollem Umfang

Mit der Familie steht und fällt fast alles. Ist deine Familie bereit Entbehrungen hinzunehmen? Der Familienvater oder die Mama kann manchmal Wochen bis Monate kaum für die Familie da sein. Ohne Unterstützung und Verständnis kann die Selbständigkeit zur Qual werden.

Ich habe klare Zielsetzungen für meine Selbständigkeit

Geld verdienen -klar das ist ein Ziel, unabhängig sein wollen wir auch alle. Doch wie sieht es mit konkreten Zielsetzungen für dein Unternehmen aus. Wo willst Du mit deiner Firma in einem Jahr stehen, wo in fünf Jahren und was ist mit den nächsten 10 Jahren? Was sind deine Visionen, planst Du deinen Bereich zu revolutionieren, willst Du dich vergrößern/expandieren? Die Palette der möglichen Zielsetzungen sind endlos – hast Du welche ausgearbeitet?

Ich habe finanzielle Rücklagen bzw. bin finanziell grundlegend abgesichert

Als Selbständiger gibt es nicht mehr den berühmten Lohnscheck am Ende des Monats. Wenn es ganz schlecht läuft, kann es sogar Monate ohne einen Cent Umsatz geben. Auch ungeplante Investitionen gehören dazu, was ist wenn der Computer plötzlich kaputt geht oder das Auto streikt. Als Selbständiger musst Du solche Dinge auffangen um weiterhin deine tägliche Arbeit fortsetzen zu können.

Ich bin in meinem Bereich fachlich hochqualifiziert und bilde mich weiter

Wer glaubt das Zitronenfalter Zitronen falten, der glaubt vielleicht auch, es ist eine gute Idee, ohne fachliches Wissen in die Selbständigkeit zu gehen. Oft lernt man natürlich durch Erfahrung aber ohne fachliches Knowhow wird es schnell zu Ende gehen mit der Selbständigkeit.

Kaufmännisches Wissen habe ich mir angeeignet (Marketing, Vertrieb, Versicherungen, Buchführung usw.)

Hier muss sicher kaum noch was dazu geschrieben werden. Wer keine Ahnung davon hat sein Produkt zu vermarkten, Abrechnungen zu erledigen und all die vielen anderen kleinen kaufmännischen Tätigkeiten aufgrund mangelhafter Kenntnisse nicht erledigen kann, braucht sich um die Selbständigkeit keine Gedanken machen.

Fazit:

Der Weg in die Selbständigkeit ist ohne vernünftige Planung und ohne einem ausgearbeitetem Konzept quasi zum Scheitern verurteilt. Je weniger man sich selbst reflektieren und sich Problemen stellen kann, desto weniger ist man für die Selbständigkeit geeignet.

Solltest Du weniger als 2/3 der oben augeführten Fragen mit einem Ja beantworten, ist es sinnvoll nochmal über den Weg in die Selbständigkeit nachzudenken oder ein Seminar für Existenzgründer zu besuchen.

About The Author

Andreas Meyhöfer

Wirtschaftsinformatiker (B.Sc.), Fachinformatiker (AE), Verlagskaufmann, Blogger, BTX-Kind und Käsekuchenliebhaber. Immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. Du findest mich auch bei Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

3 Comments

  • Marcel Selle

    22. Oktober 2011

    Hallo,

    Klasse Artikel und vor allem sehr umfangreich. Ich denke bei vielen ist spielt der Reiz der Selbstverwirklichung die größte Rolle. Trotzdem ist es natürlich wichtig, auch die negativen Seiten zu beachten.

    Grüße
    Marcel Selle