Abschweifende Gedanken - Fluch oder Segen?

Abschweifende Gedanken – Fluch oder Segen?

Um die Produktivität bei deiner Arbeit zu maximieren solltest Du am Besten dauerhaft und konzentriert bei der Sache sein – soweit, so logisch.

Sicherlich kennst Du aber auch die Situation, dass Du einen Text liest und irgendwann bei irgendeinem Satz auch nach dem dritten Mal Lesen immer noch nicht weist, was dort steht. Du bist mit deinen Gedanken abgeschweift.

Das Abschweifen geschieht meist unmerklich. Zuerst befasst Du dich eingehend mit einem Thema, aber dann beschäftigen sich deine Gedanken mit einer anderen Thematik, die auch gänzlich anders sein kann und überhaupt nichts mit der Aufgabe zu tun hat, die Du eigentlich gerade lösen wolltest.
Dieses Phänomen der abschweifenden Gedanken wird meist unterschätzt. Viele glauben sogar, dass sie höchstens 10% der Zeit abschweifen und die meiste Zeit doch bei der Sache sind.

Wusstest Du, dass aber das Abschweifen unsere Gedanken bis zu 30% unserer Zeit einnimmt?
Manchmal sogar noch mehr, je nach Persönlichkeit. Das ist eine ganz schöne Menge Zeit. Wenn dir das in der Arbeitszeit passiert, dann ist das sehr ärgerlich, gerade wenn Du dein eigener Chef bist. Als Angestellter ist es oft nicht weniger brisant, da Du dadurch natürlich weniger schaffst und wenn etwas nicht zum Termin fertig wird, dann kann das ebenso unangenehme Konsequenzen haben.

Nun glaube nicht, dass nur wenige Menschen von diesem Problem betroffen sind. Abschweifende Gedanken sind sehr verbreitet und praktisch jeder hat damit zu kämpfen. Wie erwähnt ist es uns nicht bewusst und wir bemerken meist erst, dass wir nicht mehr bei der Sache sind, wenn wir schon eine ganze Weile über etwas anderes nachdenken.

Warum schweifen unsere Gedanken ab?

Der Mensch wird andauernd von seinen Gefühlen beeinflusst und persönliche Dinge spielen eine zentrale Rolle in seinem Leben. Für unser Gehirn ist es weniger wichtig eine gestellte Aufgabe zu lösen als vielmehr das zu verarbeiten, was uns persönlich betrifft, ganz besonders dann, wenn stärkere Gefühle mit im Spiel sind. Wer sich zum Beispiel um die Zukunft seiner Familie sorgt, der wird sich häufig dabei ertappen, dass er alle Eventualitäten was seine Liebsten betrifft im Geiste durchgeht und nach Alternativen sucht.

Im Alltag kommen wir außerdem recht gut mit abschweifenden Gedanken zurecht, denn meistens ist es nicht unbedingt nötig sich voll und ganz auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Wir können zum Beispiel einen bekannten Weg zurücklegen oder ein Brötchen belegen und essen, ohne großen Denkaufwand. Während wir also solcherlei Aufgaben ganz automatisiert erledigen, beschäftigt sich unser Denkapparat mit anderen Dingen und kommt dabei auch gern mal „vom Hölzchen aufs Stöckchen“.

Dieses Abschweifen ist zum Beispiel auch ein Prinzip des Surfens im Web. Oft sind in einem Text Ansätze zu anderen Themen oder Begriffe mit Hyperlinks hinterlegt, so dass der Leser mit Leichtigkeit abschweifen kann. Manchmal geht dieses Abschweifen so weit, dass nicht mehr zum Ursprungstext zurückgefunden wird, da jeder weitere verlinkte Artikel wieder Links enthielt denen der Leser folgte.

Wann ist das Abschweifen schlecht?

Abschweifende Gedanken können sehr unangenehme Auswirkungen haben, zum Beispiel wenn man dadurch etwas Wichtiges vergisst. Und natürlich ist die Unkonzentriertheit sehr ärgerlich, wenn man eine Aufgabe erledigen und diese möglichst schnell vom Tisch haben will. Wie oben beschrieben kann man in Schwierigkeiten kommen, wenn die Arbeit nicht zu einem vereinbarten Termin fertig wird.

Hat dieses Verhalten der Gedanken auch etwas Gutes?

Das Loslassen unserer Gedanken ist dann von Vorteil wenn wir etwas automatisiert tun können, ganz nebenbei löst unser Gehirn in dieser Zeit höhere Aufgaben. Zum Beispiel wenn wir bei schönem Wetter im Garten den Rasen mähen oder Unkraut zupfen, können gleichzeitig die freien Gehirnkapazitäten genutzt werden um neue Ideen zu entwickeln, beispielsweise wie eine bessere Organisation am Arbeitsplatz erreicht werden kann.

Mancher Experte schließt nicht aus, dass abschweifende Gedanken die Kreativität positiv beeinflussen. Die Gedanken können in diesen Momenten frei fließen und Ideen haben eine bessere Chance aus dem Unbewussten an die Oberfläche zu steigen und das Bewusstsein zu erreichen.

Bedenkt man diese Funktionsweise des Gehirns und des Unbewussten, so ist die Idee, dass Menschen, deren Gedanken häufiger abschweifen, manchmal besser und schneller zur Problemlösung gelangen, gar nicht so abwegig.

Ich selbst habe schon mehrmals festgestellt, dass angestrengtes Grübeln oft nicht zu einem befriedigenden Ergebnis führt. Wenn ich aber dann etwas später während einer beliebigen körperlichen Arbeit, für die ich meine grauen Zellen nicht beanspruchen muss, meine Gedanken wieder Luft haben, schießen mir häufig hilfreiche Ideen oder gar die Lösung zum vorher zergrübelten Problem durch den Kopf.

Was tun gegen abschweifende Gedanken?

Einige Psychologen sehen eine Möglichkeit zur Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit in Meditations-, Tai Chi- und Yogaübungen. Meditationstechniken im Allgemeinen haben nachgewiesen eine positive Wirkung auf Körper und Geist.

Welchen Einfluss Meditation auf unser Gehirn genau hat, kannst Du in einem interessanten und recht ausführlichen Artikel mit dem Titel Meditieren verändert das Gehirn auf der Website von „Die Welt“ nachlesen.

Fazit

Pauschal können abschweifende Gedanken nicht als gut oder schlecht angesehen werden. Sie haben im täglichen Leben ihren Sinn und sollen uns ja auch das Dasein erleichtern, indem freie Gehirnkapazitäten nicht einfach ungenutzt verfallen.

Erst wenn man vermehrt mit abschweifenden Gedanken zu kämpfen hat und die Konzentration sehr schwer fällt, gerade wenn es darauf ankommt, dann wird die gute Absicht unserer grauen Zellen zum Problem. Meditation und Konzentrationsübungen können in diesem Fall die Situation verbessern.

About The Author

Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

Comments are closed.