Der Mensch ist im Grunde faul

Der Mensch ist im Grunde faul

Wir sind grundsätzlich daran interessiert sowenig Ressourcen wie möglich für die Erreichung eines Zieles einzusetzen. Viele die diese Vorgehensweise beobachten, bezeichnen das als Faulheit, wobei der Begriff Faulheit allgemein sehr negativ behaftet ist.

Faulheit oder Effizienz?

Aber kann man dieses Bestreben, den Aufwand so gering wie irgend möglich zu halten, nicht auch Effizienz nennen?

Denn die Evolution hat dafür gesorgt, dass vor allem die Individuen überlebt haben, die mit ihren Energien am wirkungsvollsten haushalteten, sie am sinnbringendsten einsetzten und nicht verschwendeten.

Es wurde gerade soviel Energie aufgewendet, dass sie genug Ressourcen zur Verfügung hatten. Die wichtigsten Ressourcen waren Nahrung, Wasser, ein sicherer Platz und Sex. Es hatte zum Beispiel keinen Sinn, mehr Nahrung zu sammeln oder zu erjagen, als in einer bestimmten Zeitspanne gegessen werden konnte. Denn das was übrig blieb, wurde doch nur schlecht und damit ungenießbar.

Dieses Prinzip des sparsamen Umgangs mit unserer Energie und unseren körperlichen Ressourcen ist uns auch heute noch zueigen. Man könnte jetzt natürlich fragen, wie viel ist genug, was reicht uns aus, damit wir aufhören unsere Energien einzusetzen. Man könnte einwerfen, dass ja ein mehrfacher Millionär mit Sicherheit mehr als genug zum Leben hätte und trotzdem würde er nicht aufhören sein Geld zu vermehren.

Dieses Argument ist erst einmal nicht von der Hand zu weisen, aber dieses Beispiel des Geldscheffelns hängt nicht unbedingt mit Nichtfaulheit oder Ineffizienz zusammen, sondern hat meiner Meinung nach auch andere Triebfedern, wie zum Beispiel das Belohnungsprinzip.

Und wenn man die Vorgehensweise des besagten Millionärs ganz genau analysierte, würde man im Detail erkennen, dass auch der Millionär bei seinen einzelnen Arbeitsschritten den Aufwand so gering wie möglich hält um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Satisfice – eine Strategie der Entscheidungsfindung

Einer der einflussreichsten Sozialwissenschaftler des 20. Jahrhunderts, Herbert Simon, beschrieb eine Strategie der Entscheidungsfindung, die man mit dem oben genannten Faulheitsprinzip verbinden kann. Sein Modell der Entscheidungsfindung nannte Simon „Satisfice“, zusammengesetzt aus den englischen Begriffen „Satisfy“ und „Suffice“. Satisfy bedeutet im Deutschen befriedigen, zufriedenstellen, und Suffice heißt genügen, ausreichen.

Simons Strategie der Entscheidungsfindung besagt, dass man sich nicht für die optimale, sondern für eine akzeptable Option entscheidet. Denn um die optimale Option zu finden, muss erheblich viel an Zeit aufgewendet werden. Es müssen praktisch alle möglichen Optionen geprüft werden um das Optimum heraus zu filtern, aber es ist in sehr vielen Situationen gar nicht machbar wirklich alles zu analysieren –  zumindest wäre es eine stark übertriebene Maßnahme.

Da die Suche nach der perfekten Lösung in der Regel viel zu aufwendig ist, ist die Entscheidung für eine Option, die ausreicht bzw. gut genug ist, naheliegend.

Was hat Entscheidungsfindung mit Websites zu tun?

Diese Strategie der Entscheidungsfindung hat auch Auswirkungen auf Websites und das Wissen darüber erhöht das Verständnis über das Surfverhalten der begehrten Webseitenbesucher.

Viele Besucher einer Website überfliegen die Seiten oft nur, sie scannen sozusagen eine Seite, auf der Suche nach Informationen. Dieses Vorgehen kann einerseits mit Zeitmangel der User begründet werden, zum anderen kommt mit Simons Strategie der Entscheidungsfindung nun ein weiterer Grund für das häufige Scannen von Webseiten hinzu.

Sobald der Besucher beim Überfliegen nämlich einen Link entdeckt, der annähernd zum gesuchten Begriff passt oder einfach nur einen Link, der sein Interesse weckt, wird geklickt. Dabei kann es vorkommen, dass Teile der Seite gar nicht wahrgenommen wurden. Der User klickt auf betreffende Links, weil er sich damit zufrieden gibt, weil sie einfach passend und damit gut genug erscheinen – „Satisfice“.

Es gibt sicherlich Ausnahmen, in denen die User umfangreicher recherchieren und nach einer dem Optimum recht nahe kommenden Option suchen. Vorstellbar sind auch ganz Hartnäckige, die nicht locker lassen, bis sie tatsächlich die optimale Lösung gefunden haben, aber diese Spezies wird nicht weit verbreitet sein.

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass der User den geringstmöglichen Aufwand bei der Suche nach einer Lösung betreibt und sich recht schnell für etwas entscheidet, was gut genug erscheint.

Fazit:

Simons Strategie der Entscheidungsfindung kann auf viele Bereiche des Lebens übertragen werden. Denn es ist in der Regel wirklich nicht sinnvoll, gerade bei nicht ganz so wichtigen Entscheidungen, lange nach der optimalen Lösung zu suchen. Das Passende ist in den häufigsten Fällen tatsächlich gut genug.

Wir handeln meist schon automatisch nach diesem Prinzip, aber sich dessen bewusst zu werden ist eine interessante Sache und wir verstehen dadurch unsere Umwelt wieder ein bisschen besser.

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Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

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