Gesichter machen Webseiten einladender

Wie Gesichter im Webdesign auf den Betrachter wirken

Habt ihr gewusst, dass das menschliche Gehirn einen speziellen Bereich besitzt, der ausschließlich für die Erkennung von Gesichtern zuständig ist?

Aber warum wird ausgerechnet die Gesichtererkennung so bevorzugt behandelt und nicht die übrigen visuellen Reize? Diese visuellen Reize werden nämlich in einem gemeinsamen Bereich, der Sehrinde, verarbeitet.

Erkennen von Gesichtern

Wir erkennen augenblicklich Gesichter wieder, obwohl sie sehr komplex sind. Auch bei geringen, im Prinzip leicht zu übersehenden Unterschieden, können wir die Gesichter genau differenzieren.

Wenn wir durch eine große Menschenmenge gehen und pausenlos verschiedene Gesichter betrachten, wird uns trotz der Menge ein bekanntes Gesicht unmittelbar ins Auge springen, sobald es in unseren Wahrnehmungsbereich kommt.

Damit diese rasante Erkennung von Gesichtern funktioniert, gibt es diesen oben genannten speziealisierte Bereich in unserem Gehirn, den Gyrus fusiformis, in den die vom Auge wahrgenommenen „Gesichtsdaten“ direkt geleitet werden.

Wenn wir genauer darüber nachdenken, wird uns auch klar, wie elementar wichtig es für uns sein muss, Gesichter problemlos zu erkennen und auch einschätzen zu können. Aus Sicht der Evolution beschert uns das einen Überlebensvorteil.

Stellt euch nur vor, wie es wäre, wenn wir unsicher wären, ob nun ein Verwandter vor uns steht oder doch nur jemand, der ihm ähnlich sieht, oder wenn wir schwer einschätzen könnten, ob unser Gegenüber wütend oder freundlich ist.

Gesichter wecken Emotionen

Außerdem werden gleichzeitig durch Gesichter Gefühle hervorgerufen, das liegt daran, dass der für die Gesichtererkennung zuständige Bereich des Gehirns mit dem Mandelkern verbunden ist, der Mandelkern ist das emotionale Zentrum unseres Gehirns.

All das macht deutlich, dass Gesichter einen besonderen Stellenwert für uns haben. Schon Neugeborene bevorzugen recht schnell Gesichter bzw. gesichtsähnliche Formen.

Was hat diese Erkenntnis über die Gesichtererkennung des Menschen nun mit Webdesign zu tun?

Wenn wir eine Webseite aufrufen und auf dieser Seite befindet sich ein Gesicht, dann erkennen wir dieses Gesicht vor allen anderen Elementen auf der Webseite. Und wir reagieren auch als erstes auf dieses Gesicht.

Wie bereits gesagt, Gesichter wecken in uns Emotionen, nicht nur die der uns bekannten Menschen. Auch bei fremden Gesichtern wird in wenigen Sekundenbruchteilen entschieden, ob die betreffende Person symphytisch, unsympathisch oder einfach nur uninteressant ist.

Wir empfinden die jeweilige Situation dann dementsprechend in allen Abstufungen von angenehm bis unangenehm.

Gesichter in der Werbung

Die Werbung setzt Gesichter bzw. Menschen schon lange gezielt ein, um zum Beispiel bestimmte Gefühle zu erzeugen, die dann mit dem eigentlichen Produkt assoziiert werden sollen.

Schauen wir uns doch einmal einen fiktiven Werbespot für einen Familienwagen im Fernsehen an, wie er möglicherweise ablaufen könnte.

Eine Familie von durchschnittlicher Größe, zwei Erwachsene, zwei Kinder – Junge und Mädchen, packen an einem schönen sonnigen Tag ihre Familienkutsche für einen Ausflug voll. Alle Familienmitglieder sind dabei sehr fröhlich und ausgelassen, sie freuen sich auf den Ausflug und sind glücklich darüber, das alles, was sie mitnehmen wollen so wunderbar in den Wagen passt.

In so einem Werbespot wird nicht über technische Daten des Autos gesprochen, sondern die Vorzüge werden durch die Menschen, genauer deren Gefühle und deren Handlungen dargestellt. Ins Auto passt viel rein, der Vater strahlt beim lenken des Wagens, alle sind sichtlich entspannt und genießen die Fahrt – kurz, die Essenz der Botschaft ist: Das Auto macht glücklich. Diese Emotionen wirken auf uns erheblich stärker als nackte Fakten.

Überhaupt ist der Mensch emotionaler angelegt, als man vielleicht im ersten Moment vermuten könnte. Emotionen helfen uns eine Situation schnell zu beurteilen. Es dauert länger durch reines rationales Denken eine Entscheidung zu finden, wobei auch hier immer noch hintergründig und mehr unbewusst Gefühle mitmischen.

Gesichter im Internet

Für Webseiten werden diese Erkenntnisse noch nicht so stark genutzt. Auch Werbung im Internet ist eher noch mit bunten Schriftzügen gestaltet oder den zu bewerbenden Produkten als mit Gesichtern.

Ein freundliches Gesicht auf einer Webseite weckt positive Gefühle in uns und wirkt einladend. Die stärkste emotionale Wirkung hat es, wenn wir direkt angeschaut werden.

Ein weiteres Phänomen ist, das wir bei Gesichtern, die uns nicht direkt anschauen, sondern woanders hinblicken, wir dem Blick des Gesichts folgen und dorthin sehen, wohin auch das Gesicht schaut.

In der Werbung ist dieser Effekt dem ein oder anderen vielleicht schon bei manchen Werbekampagnen aufgefallen – das werbende Gesicht schaut auf das beworbene Produkt und wir schauen automatisch auch dorthin.

Das wir das Produkt aber nun ansehen, bedeutet nicht, dass wir dem Produkt jetzt vermehrt Aufmerksamkeit schenken, sondern eben nur, dass wir es ansehen.

Auf Webseiten kann mit dieser Methode zumindest der Blick des Betrachters auf eine wichtige Stelle der Webseite gelenkt werden, so dass der Besucher gerade diesen Teil nicht übersieht.

Eventuelle Nachteile von Gesichtern

Ein Nachteil von Gesichtern auf der eigenen Webseite könnte sein, dass nicht jedes Gesicht jedem Besucher zwangsläufig symphatisch ist, auch wenn es freundlich schaut.

Es kann immer vorkommen, dass der Besucher durch irgendetwas Bestimmtes, was er in dem Gesicht auf der Website sieht, unbeabsichtigt an etwas Negatives in seinem Leben oder aus seiner Vergangenheit erinnert wird. Sollte dieser Fall eintreten, so fühlt sich der Betrachter auf der Webseite nicht wohl und neigt eher dazu, die Seite zu verlassen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dadurch dass Gesichter die mächtigste menschliche Steuerungsfunktion beeinflussen, die Emotionen, besondere Gestaltungsmöglichkeit für Websites darstellen.

Bleiben nur die positiven Effekte gegen die möglichen negativen Effekte abzuwägen und sich von Fall zu Fall für oder gegen den Einsatz von Gesichtern auf den eigenen Projekten zu entscheiden.

About The Author

Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

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