Schufa, Facebook und das Geschrei nach Datenschutz

Schufa, Facebook und das Geschrei nach Datenschutz

Derzeit ist das Internet endlich einmal wieder in Bewegung und die Frühjahrsmüdigkeit wird einigen Webnutzern aus den lahmen Knochen geputzt. Und Schuld daran ist die allseits bekannte wie auch beliebte Schutzvereinigung für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa. Derzeit darf sich die Schufa über einen wahren Shitstorm im Internet erfreuen und Schuld ist nur ein wenig Datensammelwut. Doch was ist genau passiert?

Die Schufa soll den Vertragspartner schützen

Jeder der schon einmal einen Vertrag abgeschlossen hat, wird sicherlich die Schufaklausel kennen. Ohne die entsprechende Einwilligung zur Auskunftserteilung wird es schwer selbst einen Kaugummi vom Händler zu erwerben – gut etwas übertrieben aber die Richtung ist sicher deutlich.

Doch wie soll man seine Vertragspartner schützen, wenn vom potentiellen Kreditnehmer keine entsprechenden Daten vorliegen? Nun dafür gibt es ja zum Glück den auskunftsfreudigen Kunden, der mit einer entsprechenden Genehmigung dafür sorgt, dass die Datenbank der Schufa fleißig wachsen kann.

Datenspeicherung der Schufa

Viele regen sich über die Datenkraken im Internet auf, sei es Google, Facebook oder andere global Player im Web. Dabei führt die Schufa mit ihren Datenbeständigen in Deutschland ein wahres Festmahl für alle die sich für die Kreditwürdigkeit ihres Kunden interessieren. Es werden von der Schufa die vielfältigsten Daten gespeichert. Hier ist nur ein kleiner Auszug von dem was die Schufa in ihren Datenbeständen vorliegen hat:

  • Name, Vorname
  • Geburtsdatum und Ort
  • Geschlecht
  • Aktueller Wohnort
  • Frühere Wohnorte
  • Alle Arten von Kreditanfragen
  • Laufende Kredite mit Laufzeit und Höhe
  • allgemeines Zahlungsverhalten
  • und vieles vieles mehr…

Da diese Daten aber nicht genug sind und man ja immer noch etwas mehr von potentiellen Vertragspartnern erfahren könnte, hat sich die Schufa ins Jahr 2012 begeben und das Web 2.0 für sich entdeckt.

Facebook und die Schufa – ein klasse Team

Wer schlau ist und etwas über seine Kunden erfahren möchte geht in die sozialen Netzwerke. Das wissen mittlerweile nicht nur Arbeitgeber, die sich ihre Bewerber oder aktuellen Mitarbeiter näher anschauen möchten. Zu keinem Zeitpunkt gehen Menschen unbedarfter und teilweise fahrlässig mit Informationen aus ihrem Privatleben um.

Mit einem angestoßenem Forschungsprojekt am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam will die Schufa ermitteln wie Daten und Informationen die im Internet zugänglich sind am besten zur Bonitätsermittlung genutzt werden können. Das sich hier natürlich Netzwerke wie Facebook, Google oder der Mikrobloggingdienst Twitter geradezu anbieten, ist für fast jeden offensichtlich.

Die Schufa relativiert und die Politik reagiert

Während die Schufa durch ihren Pressesprecher Andreas Lehman verlauten ließ:

„Es geht nicht darum, jetzt zusätzliche Datenquellen zu erschließen“

und auch nochmal betonte, dass es sich um ein reines Forschungsprojekt handelte in dem man erfahren möchte wie die rechtliche Lage bei dieser Art der Datenbeschaffung sei und ob die so ermittelten Daten überhaupt sinnvoll nutzbar sind. Gleichzeitig sind die ersten Stimmen aus der Politik laut geworden die das Forschungsprojekt der Schufa kritisieren. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) gab zu verstehen:

“Es darf nicht sein, dass Facebook-Freunde und Vorlieben dazu führen, dass man zum Beispiel keinen Handy-Vertrag abschließen kann.”

und auch Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hat schon ihre Bedenken geäußert:

“Die Schufa muss die Karten auf den Tisch legen. Ich erwarte vollständige Aufklärung über die Hintergründe und Ziele dieses Forschungsauftrags. Die Schufa darf nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden.”

In wie weit die Lobby der Schufa später reicht um die bisherigen Stimmen der Politik ins Gegenteil zu drehen, bleibt abzuwarten.

Datenschutz ist, was du daraus machst

Dabei muss ganz klar gesagt werden, dass die Idee des Forschungsauftrag nur eine Frage der Zeit und eigentlich schon lange überfällig war. Viel zu freizügig gehen die meisten User mit ihren Daten und Informationen im Internet um. Dabei hat es jeder selber in der Hand seine Daten zu schützen.

Egal ob man die Option nutzt und sein Profil bei Facebook auf Privat stellt oder einfach vorsichtiger mit privaten Informationen agiert. Es stellt sich in der Regel ja auch keiner mit einem Megaphon auf die Straße und brüllt heraus das er gerade ein neues Handy gekauft oder den Kredit für das neue Auto nicht bekommen hat. Jeder möchte als mündiger Bürger behandelt werden, dann sollte auch jeder ein wenig Eigenverantwortung an den Tag legen.

Fazit:

Die Nachricht das die Schufa Facebook und Co dazu nutzen möchte um Daten der Verbraucher zu sammeln mag auf den ersten Blick als Aufreger dienen. Doch insgesamt liegt hier doch nur ein laues Lüftchen vor. Die meisten von uns haben sich vor der Schufa sowieso schon ausgezogen und unterliegen einem Score.

Vielleicht hat diese Meldung auch etwas positives und der ein oder andere Internetuser geht nun etwas sensibler mit seinen privaten Daten im Internet um. Doch mir persönlich fehlt da der Glaube – was meinst Du?

About The Author

Andreas Meyhöfer

Wirtschaftsinformatiker (B.Sc.), Fachinformatiker (AE), Verlagskaufmann, Blogger, BTX-Kind und Käsekuchenliebhaber. Immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. Du findest mich auch bei Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

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