Selbständig machen als Webdesigner

Selbständig machen als Webdesigner – Tipps aus der Praxis

Im ersten Teil unserer Artikelserie bleiben wir dort, wo es erst einmal am naheliegensten ist in der heutigen Zeit – im Web.

Das Berufsbild des Webdesigners hat einen wahren Boom erlebt in den letzten Jahren und der Strom an Menschen, die sich als Webdesigner selbständig machen möchten, scheint endlos zu sein.

Doch was muss man als Webdesigner alles beherrschen, wo liegen die Risiken bei der Selbständigkeit als Webdesigner und was am Wichtigsten ist – gibt es überhaupt noch das klassische Berufsbild des Webdesigners?

Was ist ein Webdesigner überhaupt?

In der breiten Öffentlichkeit steht der Webdesigner für die Erstellung von Websites. Darunter fällt das grafische Layout, die Planung der Usability und der Aufbau bzw. die Umsetzung eines vorhanden Corporate Designs.

Vor ein paar Jahren konnte der angehenden Webdesigner noch damit punkten, wenn er ein einfaches Verständnis von HTML und CSS hatte, mit Photoshop umgehen und den Geschmack eines potentiellen Kunden treffen konnte.

Doch das Berufsbild des Webdesigners hat sich stark gewandelt und wenn man nicht gerade in einer großen Agentur arbeitet in dem die Rollen genau verteilt sind, ist die Selbständigkeit als Webdesigner so komplex, dass man hier schon fast einen Studiengang daraus machen könnte.

Der Webdesigner im Wandel des Internets

Jeder selbständige Webdesigner wird es bestätigen, man könnte sich 24 Stunden am Tag weiterbilden und weitere 24 Stunden am Tag seine Netzwerke pflegen.

Um den 72 Stundentag komplett zu machen kommen die normalen Kundenarbeiten, Recherchearbeiten, Büropflege, Marketingaufgaben und hunderte weitere tägliche Büroarbeiten hinzu.

Während vor ein paar Jahren die notwendigen Kenntnisse eines Webdesigner sich noch im Rahmen hielten, haben die Kunden an den selbständigen Webdesigner mehr Anforderungen als es Webseiten im Internet gibt.

Gut, vielleicht übertreibe ich hier etwas aber vom Gefühl liege ich der Sache schon recht nahe.

Ein kleiner Überblick, was ein Webdesigner in der heutigen Zeit am Besten beherrschen sollte wenn er als Einzelkämpfer unterwegs ist.

  1. HTML, CSS, PHP JavaScript , AJAX, Flash, SQL
  2. Photoshop, GIMP, 3D-Grafik (z.B Blender), Illustrator, Fireworks, Filmbearbeitung (z.B für YouTube)
  3. Kenntnisse in Typographie, Layout, Farblehre
  4. Hohe Analysefähigkeiten und starke Kreativität
  5. Projektmanagement, Kundenführung und Kundenpflege
  6. allgemeine kaufmännische Fähigkeiten
  7. Kenntnisse im Marketing und in der Werbung
  8. Kenntnisse in der Suchmaschinenoptimierung
  9. Kenntnisse aus den Bereichen Internetrecht, Urheberrecht, Verbraucherschutz
  10. Grundlegende Kenntnisse von verschiedenen Server- und Betriebssystemen
  11. Beherrschen der gängigsten Content-Management-Systeme – Joomla, WordPress, Typo3, Drupal

Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Die wichtigste Fähigkeit eines selbständigen Webdesigner ist es, sich auf alle Gegebenheiten schnell einzustellen und innerhalb von kürzester Zeit Problemlösungen parat zu haben, selbst wenn er mit einem bestimmten Thema noch nicht in Berührung gekommen ist.

Die Grundausrüstung eines selbständigen Webdesigners

Wer sich als Webdesigner selbständig machen möchte, hat den Vorteil, dass dies mit geringen finanziellen Möglichkeiten zu realisieren ist. Jedoch sollte man dennoch den ein oder anderen Euro einplanen, insbesondere dann, wenn man mit professioneller Grafiksoftware an den Start gehen will und diese eben nicht illegal aus dem Internet gezogen oder mithilfe von irgendwelchen fragwürdigen Tools freigeschaltet hat.

Die eigene Website als selbständiger Webdesigner

Jeder angehende Webdesigner sollte natürlich einen eigenen Webauftritt sein eigen nennen können. Dieser sollte von Beginn an vernünftig gestaltet und geplant werden.

Schließlich ist der eigene Webauftritt das Aushängeschild für jeden Webdesigner. Doch gerade bei den Texten machen viele Webdesigner einen Fehler und sollten sich hier eher einen Texter engagieren.

Bei den meisten Webdesignern liest man grundsätzlich Begriffe wie einzigartig, kreativ, innovativ, ganz ehrlich – das sind Floskeln, die mehr als ausgelutscht sind. Wo bleibt denn hier die eigene angepriesen Kreativität und Innovation.

Weiter denken als angehender Webdesigner

Wer als Webdesigner unterwegs ist, sollte sein Hauptgeschäft mit einem dauerhaften Nebenprodukt koppeln – zum Beispiel das Webhosting.

Es liegt nahe, dass jemand der eine Website benötigt nicht immer das passende Webhostingpaket sein eigen nennt und oftmals legt der Kunde diese Wahl in die Hände seines Webdesigners.

Und selbst wenn der Kunde nicht nach einem Webhostingpaket fragt, sollte man innerhalb des Kundengesprächs darauf hinweisen und eine eigene Lösung anbieten. Es bietet sich hier also an, von Anfang an ein sogenanntes Resellerpaket bei einem Webhoster zu mieten.

Kontakte knüpfen als Webdesigner

Networking ist das Zauberwort um neue Kontakte zu knüpfen und alte zu pflegen. Wer sich nicht mit den verschiedensten Netzwerken auseinandersetzt und sich nicht regelmäßig aktiv am Geschehen beteiligt, verliert nicht nur seine Präsenz sondern auch mögliche Aufträge.

Für den heutigen Webdesigner bedeutet dies, er muss fit sein in den Bereichen Facebook, Xing, Twitter, Google + und all jene Netzwerke die man noch für beachtenswert hält.

Es gilt ein Feingefühl zu entwickeln welche Netzwerke einem weiter bringen und welche vernachlässigt werden können. Hier gibt es keine Faustregel, diese Entscheidung sind Erfahrungswerte die jeder selbständige Webdesigner für sich selber treffen muss.

Aufträge verwalten, Angebote schreiben, Rechnungen versenden

Der Büroalltag muss von Beginn an in geregelten Bahnen laufen. Ich warne an dieser Stelle jeden angehenden Selbständigen diesen Bereich zu vernachlässigen oder eingehende / ausgehende Unterlagen nicht regelmäßig zu ordnen und zu verwalten.

Das Kernstück eines jeden Unternehmens ist eine vernünftige Buchhaltung. Einnahmen und jede kleine Ausgabe müssen fortlaufend erfasst und kontrolliert werden.

Gerade bei den kleinen Ausgaben verlaufen sich viele Selbständige. Hier empfiehlt es sich von Beginn an mit einer Bürosoftware zu arbeiten. Es gibt verschiedene Online-Anbieter die ihre Dienste kostengünstig anbieten.

Risiken als selbständiger Webdesigner

Es ist nicht immer alles Gold was glänzt und wenn die Motivation auch noch so groß ist, man muss sich bewusst sein, der Markt im Internet ist hart umkämpft.

  • Preisdumping der Mitbewerber
    Der potentielle Kunde hat im schlimmsten Fall keine Ahnung welcher Aufwand hinter der Erstellung eines vernünftigen Webauftritts steckt. An der Stelle ist meist die einzige geltende Kennziffer der Preis. Hier setzt man sich einem Preiskampf aus, den man im Internet nicht gewinnen kann. Regel Nummer 1 ist – es gibt immer einen der günstiger ist. Regel Nummer 2, davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Kalkuliere deinen Preis und setze diesen auch beim Kunden um ohne zu verhandeln. Kunden die sich gut beraten fühlen, selber das Wissen über die Kosten eines Selbständigen haben, werden auch einen durchschnittlich höheren Preis bezahlen.
  • Keine Aufträge als Webdesigner
    Nicht jeder Monat läuft gleich gut. Während man sich zu den kalten Jahreszeiten vor Aufträgen kaum retten kann, laufen die heißen Sommertage meist weniger gut. Hier müssen entweder Rücklagen dran glauben oder andere Auftragsquellen aufgetan werden. Hier bieten sich Auftragsbörsen wie myhammer, 12designer oder designenlassen an. Hier ist es jedoch nicht immer einfach einen gutbezahlten Auftrag an Land zu ziehen. Ich würde die auftragsfreie Zeit lieber dazu nutzen sich weiter zu bilden, ein zweites Standbein aufzubauen oder schlicht Urlaub zu machen.
  • Content-Management-Systeme, Gratistemplates, Baukastensysteme
    Der Fortschritt im Internet hat nicht nur Vorteile für einen selbständigen Webdesigner. Firmen wie 1und1 oder Strato bieten für den angehenden Webmaster Komplettsysteme an mit denen fast jeder mit ein paar Klicks einen kompletten Webauftritt erstellen kann. Wer sich nicht an einen Webbaukasten hält, der hat noch die Möglichkeit eines der vielen vielen Gratistemplates zu nutzen. All das lässt natürlich den Kundenstamm schrumpfen. Aus der anderen Sicht sollte natürlich auch Bedacht werden, dass solche Kunden extrem darauf bedacht sind Kosten zu sparen und den wahren Wert einer individuellen Website nicht erkennen oder erkennen wollen.
  • Dauerhaft unzufriedene Kunden
    Diese Kunden können den selbständigen Webdesigner in den Wahnsinn treiben. Egal was umgesetzt und wie detailgetreu gearbeitet wurde, es gibt immer noch etwas was bemängelt wird. Hier muss noch nachgearbeitet werden, dort ein kleines Feature extra – all das lässt die geplante Projektzeit ins Endlose steigen. Wer nicht im Vorfeld mit Hilfe eines Pflichtenhefts oder ausgearbeiteten Angebots den Inhalt der zu verrichteten Arbeit festgelegt hat, kann hier schnell in Schwierigkeiten kommen.
  • Kunden die nicht bezahlen
    Zwei Wochen harte Arbeit liegen hinter einem, der Auftrag ist zu aller Zufriedenheit abgeschlossen aber die Zahlung will einfach nicht kommen. Freundliche Erinnerungen zeigen genauso wenig Wirkung wie Mahnungen. Das kann einen Selbständigen, gerade in der Gründungsphase, in den Ruin treiben. Wichtig sind hier Rücklagen oder ein zweites Standbein um auch solche Phasen zu überstehen.
  • Die eigenen Fähigkeiten überschätzen
    Ein Problem das nicht zu unterschätzen ist. Nicht jeder kann sich objektiv einschätzen. Der große lukrative Auftrag ist da, viele tausend Euro winken und dann stellt man fest, dass als Einzelkämpfer dieser Auftrag zeitlich nicht zu stemmen ist. Den Kunden im Nachhinein aufzuklären schadet der eigenen Reputation, also schweigt man und versucht die Sache irgendwie auszubügeln. Egal ob nun wochenlang durchgearbeitet oder bestimmte Dinge an weitere Anbietern abgegeben wird – die Kosten-Nutzenrechnung kann dabei schnell am Boden sein.

Chancen als selbständiger Webdesigner

Der Beruf des Webdesigners hat den Vorteil das jedes Projekt verschieden ist. Wer Spaß daran hat sich ständig weiterzuentwickeln, immer wieder auf neue Gegebenheiten zu treffen und die verschiedensten Individuen kennen zu lernen, wird in diesem Beruf mit Sicherheit aufgehen.

Wenn dann noch ein treuer Kundenstamm aufgebaut wurde und man sich nicht dem Billigmarkt zugewandt hat, kann als selbständiger Webdesigner gutes Geld verdient werden. Wer lange genug durchgehalten hat, wird feststellen, dass die Selbständigkeit in diesem Bereich auch heute noch fast zu einem Selbstläufer werden kann.

Es gibt genug Kunden die lieber die persönliche Betreuung suchen und auch bereit sind einen angemessenen Betrag dafür zu bezahlen. Gerade hier lässt sich ein sehr angenehmes Geschäftsverhältnis aufbauen.

Nicht zu vergessen die eigene Selbstverwirklichung und die Selbstbestimmung über die eigene Zeit und Person. Faktoren die auch die eigene Lebensqualität immens steigern können.

Tipps für den angehenden selbständigen Webdesigner

Wer viel kann, kann oftmals nichts perfekt. Das liegt in der Natur der Sache und es ist auch nicht unbedingt von Nachteil einen breiten Kenntnisstand zu haben. Jedoch gibt es viele Bereiche in denen man sich als Webdesigner spezialisieren kann.

Egal ob nur eine bestimmte Kundengruppe bedient wird – es gibt Webdesigner die arbeiten nur für den Gesundheitsbereich – oder man spezialisiert sich auf ein Content-Management-System. Vielleicht entdeckt man für sich auch die Programmierung und spezialisiert sich hier in einem Nischenbereich der kaum abgedeckt ist.

Die Lösung ist, nicht mit der breiten Masse mitzuschwimmen, sondern einen eigenen USP (Alleinstellungsmerkmal) zu entwickeln.

Selbständig machen als Webdesigner das Fazit

Auch wenn der Markt auf dem ersten Blick überlaufen ist und von Billiganbietern beherrscht wird, kann man sich als Webdesigner noch eine eigene berufliche Existenz aufbauen.

Aufgrund der Komplexität des Berufsbildes gehen mittlerweile viele selbständige Wegdesigner dazu über sich eher als einen Webworker zu bezeichnen. Schließlich reichen als Einzelkämpfer grafische Kenntnisse alleine nicht mehr aus.

Wer sich als selbständiger Webdesigner am Webdesign-Markt durchgesetzt hat, wird mit Sicherheit viel Freude und Spaß an seinem Beruf haben.

About The Author

Andreas Meyhöfer

Wirtschaftsinformatiker (B.Sc.), Fachinformatiker (AE), Verlagskaufmann, Blogger, BTX-Kind und Käsekuchenliebhaber. Immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. Du findest mich auch bei Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

3 Comments

  • Rudolf Bösiger

    10. Januar 2012

    Guten Tag Herr Meyhöfer. Vielen Dank für den Artikel. Was Sie zur preislichen Positionierung schreiben, kann ich bestätigen. Unsere Umfrage über Webprojekte bei Kleinfirmen (webkalkulator.com) bestätigt, dass bei nachhaltigen Kundenbeziehungen nicht der günstigste sondern der beste Preis obsiegt, d.h. das Angebot, das am besten auf den Kunden abgestimmt ist. Dabei gilt es aber sehr wohl die richtige Budgethöhe zu treffen. Viele Grüsse.