Siezen oder Duzen, was ist besser?

Siezen oder Duzen, was ist besser?

Als wir damals mit unserem Blog anfingen, haben wir uns auch diese Frage gestellt. Für welche Anrede sollen wir uns entscheiden, Sie oder Du?

Zumal unsere Situation zu dem Zeitpunkt ein wenig anders war als bei vielen anderen Bloggern. Wir betrieben ursprünglich eine ganz normale Unternehmenswebsite, auf der unsere Dienstleistungen und Produkte vorgestellt wurden. Also ein Internetauftritt, wie sie auch zahllose andere Firmen besitzen um sich zu präsentieren.

Auf solch einer Website wird der Leser und potentielle Kunde selbstverständlich mit „Sie“ angesprochen, wie im Geschäftsleben allgemein üblich.

Von der Website zum Blog – vom Sie zum Du?

Zum Bloggen sind wir dann aber relativ schnell gekommen. Und zwar nachdem wir zu der Erkenntnis gelangten, dass dem Leser heutzutage einfach mehr geboten werden muss als eine reine, oft langweilige, Produktpräsentation und Selbstdarstellung des betreffenden Unternehmens. Denn will man erreichen, dass Besucher die Website wahrnehmen und möglichst wiederkehren, so müssen die Inhalte einen deutlichen Mehrwert für den Leser erkennen lassen.

Mehrwerte werden zum Beispiel durch aktuelle Nachrichten, Artikel oder Tutorials generiert und für solche Inhalte bietet sich natürlich nichts besser an als ein Blog. Der Plan blogsheet in einen Blog umzuwandeln brachte uns also unter anderem in besagte Zwickmühle. Denn in der Bloggosphäre ist einerseits das „Du“ allgemein üblich, aber andererseits ist man auch immer noch Unternehmer und hat neben dem Blog auch im normalen Leben mit Kunden zu tun, die man nicht einfach so duzt.

Zum anderen ist das Thema des Blogs ja auch immer noch dasselbe, Selbständigkeit und Webworking, also Business und im Business ist das Siezen angesagt.

Das Bloggen und das Du

Aber auf allen Blogs, die wir lasen oder begutachteten war das „Du“ Gang und Gebe. Den Leser in einem Blogartikel mit „Sie“ anzureden empfanden wir als seltsam und irgendwie unpassend. Praktisch das gesamte Web 2.0 und auch das Social Media war per Du. „Du“ ist modern und angesagt. Wer noch siezte wirkte etwas angestaubt und altbacken. Die Siezer sind die Leute von gestern und die Duzer sind die jungen, innovativen Leute von heute, oder nicht?

Wir haben uns also etwas schwer getan, hin und her überlegt, was nun die richtige Entscheidung wäre. Konnten wir uns wirklich auf unseren Eindruck verlassen und zogen wir auch die richtigen Rückschlüsse? Letztendlich mussten wir einfach eine Entscheidung fällen und wir haben das Du für unseren Blog gewählt, weil es für Blogger einfach üblich ist und irgendwie dazu gehört.

Das „Sie“ schafft Distanz

Außerdem sind wir der Überzeugung, dass unsere Leser durch die persönliche Anrede viel mehr angesprochen werden und sich damit auch wohler fühlen, als mit dem förmlichen „Sie“. Das „Sie“ ist unter anderem dazu da zwischen Gesprächspartnern eine gewisse Distanz zu schaffen, wir halten aber diese Distanz für unseren Blog eher für kontraproduktiv.

Der Wohlfühlfaktor „Du“

Wir wollen die Kommunikation erleichtern und anregen und sind der Meinung, dass das „Du“ genau diesen Zweck erfüllt. Ein Blog erhält durch das duzen ein persönlicheres Flair und trägt meines Erachtens auch dazu bei, das ein Blog mehr „Gesicht“ erhält und sich der Besucher auch mehr mit den Texten identifizieren kann. Es hat ein klein wenig von einem Gespräch unter Freunden und solche Gespräche sind für Menschen weitaus  interessanter als eine steife Kommunikation in der das „Sie“ Pflicht ist.

Das „Sie“ in Social Media Netzwerken

Selbiges gilt für Social Media Netzwerke, siezt man hier dann fragt sich der Gegenüber in den meisten Fällen, ob sich derjenige verlaufen hat. Im Zweifelsfall wird man als absoluter Neuling eingestuft, der vom Netz und seinen Gepflogenheiten nicht viel Ahnung hat. Oder eben als ewig Gestriger abgestempelt.

Es gibt sogar Blogger und Internetnutzer, die sich beleidigt fühlen, wenn sie mit „Sie“ angesprochen werden. Die Gründe hierfür sind sicher vielfältig und manchmal vielleicht nicht ganz nachvollziehbar. Aber um wenigstens einen möglichen Grund zu nennen, Folgendes: Manche sehen die Anrede zum Beispiel als Indiz dafür, dass jemand, der sie nicht duzt, aber sein Interesse am Blog bzw. am Blogger beteuert, sich nicht mit der Person und/oder mit dem Blog beschäftig haben kann, sonst wüsste derjenige, dass für den angesprochenen Blogger das „Du“ üblich und selbstverständlich ist und würde dementsprechend das „Du“ als Anrede wählen.

Fazit:

Duzen ist in, duzen ist chic und eine Frage des Selbstverständnisses, so scheint es jedenfalls. Welche Gründe das Duzen im Einzelnen auch haben mag, es fühlt sich gut an, macht die Kommunikation in der Regel einfacher und schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Dieses Gefühl Teil einer Gemeinschaft zu sein lieben die Menschen. Ich denke gerade deshalb setzt sich das Duzen in der Internetwelt immer weiter durch. Es gibt natürlich immer wieder Ausnahmen, in denen man doch lieber beim „Sie“ bleiben sollte, diese wird es auch immer geben.

Wie soll man sich nun entscheiden? Wie so oft kann nur gesagt werden: Es kommt darauf an. Die Wahl ist abhängig davon, um welches  Projekt es sich handelt, welche Zielgruppe man erreichen möchte und noch einige weitere projektabhängige Umstände. Eine allgemeingültige Aussage ist deshalb nicht möglich. Unsere Gedanken zum „Du“ oder „Sie“ werden dir aber hoffentlich Anregung sein und dir helfen, solltest Du dir vielleicht auch gerade die Frage stellen, wie Du deine Leser am Besten ansprechen solltest.

About The Author

Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

1 Comment