Wie sieht ein Mensch mit einer Farbsehschwäche eine Website?

Webdesign und Farbenblindheit

Die Bezeichnung „Farbenblindheit“ ist nicht ganz korrekt und kann zu der irrigen Annahme führen, dass die Betroffenen überhaupt keine Farben erkennen können.

Das stimmt aber nur in den seltensten Fällen, ca. 1 von 100.000 Menschen kann ausschließlich in Graustufen sehen, für diesen Fall wäre die Bezeichnung Farbenblindheit richtig. Häufig leiden diese völlig farbenblinden Menschen noch zusätzlich an mangelnder Sehschärfe und an Überempfindlichkeit gegenüber hellem Licht.

Umgangssprachlich wird die Rot-Grün-Sehschwäche und die Rot-Grün-Blindheit als Farbenblindheit bezeichnet.

Es gibt verschiedene Formen von Farbsehschwächen:

Neben der am häufigsten vorkommenden Problematik zwischen Rot und Grün zu unterscheiden, gibt es noch die Schwierigkeit Blau und Gelb zu differenzieren, diese Blau-Gelb-Sehschwäche ist aber sehr viel seltener.

Bei der Rot-Grün-Sehschwäche wird noch einmal zwischen zwei Formen unterschieden:

Die erste Form betrifft die Rot-Zapfen auf der Netzhaut des Auges, diese Rot-Zapfen sind entweder degeneriert, dann spricht man von einer Rotsehschwäche oder die Rot-Zapfen fehlen ganz, der Betroffene hat eine Rotblindheit.

Die andere Form ist das Pendant zur Rotsehschwäche/-blindheit und betrifft die Grün-Zapfen auf der Netzhaut. Hier sind die Grün-Zapfen degeneriert (Grünsehschwäche) oder fehlen ganz (Grünblindheit).

Diese beiden Formen werden oft als Rot-Grün-Sehschwäche oder Rot-Grün-Blindheit zusammengefasst. Im weiteren Text werde ich mich der Einfachheit halber weitestgehend auf die Bezeichnung Farbsehschwäche beschränken.

Ursachen für eine Farbsehschwäche

Eine Farbsehschwäche kann zwar durch einen Unfall oder durch eine Krankheit ausgelöst werden, ist aber zum größten Teil erblich bedingt.

Da die Gene für das Farbensehen auf dem X-Chromosom liegen, sind am häufigsten Männer von einer Farbsehschwäche betroffen, denn Männer haben nur ein X-Chromosom. Frauen können diese fehlerhaften Gene mit ihrem zweiten X-Chromosom ausgleichen, sie haben nur dann eine Farbsehschwäche, wenn zufällig diegleichen Gene auf beiden X-Chromosomen dieselben Fehler aufweisen.

Neun Prozent der Männer sind von einer Farbsehschwäche betroffen, aber nur 0,8 Prozent der Frauen.

Statistisch gesehen hat also fast jeder 10. potentielle Besucher einer Website eine Farbsehschwäche.

Wie sehen Betroffene die eigene Website?

Wenn ihr als uneingeschränkt Farbensehende eine ungefähre Vorstellung davon bekommen möchtet, wie Menschen mit einer Farbsehschwäche die eigene liebevoll gestaltete Webseite sehen, könnt ihr eure Website online unter colorfilter.wickline.org durch einen Webseiten-Filter bzw. Farb-Simulator schicken. Dieser Simulator zeigt eure Webseite je nach eingestelltem Filter so an, wie Menschen mit der entsprechenden Farbsehschwäche die Seite sehen würden.

Auf den folgenden Bildern könnt ihr einen Eindruck davon bekommen, wie die blogsheet-Startseite für betroffene Besucher aussieht:

Rotsehschwäche / Rotblindheit, die roten Zapfen sind degeneriert oder fehlen.

Rot-Grün Farbsehschwäche, keine roten Zapfen

Grünsehschwäche / Grünblindheit, die grünen Zapfen sind degeneriert oder fehlen.

Rot-Grün Farbsehschwäche, keine grünen Zapfen

Blausehschwäche / Blaublindheit, die blauen Zapfen sind degeneriert oder fehlen.

Blau-Gelb Farbsehschwäche, keine blauen Zapfen

Was bedeutet eine Farbsehschwäche nun für das Webdesign?

Jeder Webdesigner und jeder Webmaster möchte natürlich, dass seine Website gut aussieht und ist auch bestrebt den Geschmack möglichst vieler Besucher zu treffen. Wenn man nun seine Webseite mit den Augen eines Betroffenen mit einer Farbsehschwäche betrachtet, so könnte manch einer einen ganz schönen Schreck bekommen.

Jedoch hat es wenig Sinn, die eigene Webseite – was die Farben betrifft – für alle Besucher gleich schön gestalten zu wollen. Erstens liegt Schönheit im Auge des Betrachters, wie das Sprichwort treffend sagt und zweitens ist es nahezu unmöglich eine Webseite farblich für alle genau gleich aussehen zu lassen. Die einzig denkbare Lösung dafür wäre wohl die Website in Schwarz-Weiß oder Grautönen zu erstellen.

Die unterschiedliche Wahrnehmung der Farben ist auch nicht das eigentliche Problem.

Usabilityunfreundlich und schwierig wird es erst für Menschen mit Farbsehschwäche, wenn eine bestimmte Bedeutung mit einer Farbe verknüpft wird.

Nehmen wir als Beispiel Diagramme, die ja bei passenden Themen gerne und häufig verwendet werden. Ein Diagramm besteht häufig aus zwei Teilen, der grafischen Darstellung und der dazugehörigen Legende, in der die Bezeichnungen und Erklärungen zur Grafik aufgeführt sind. Die Grafik an sich hat oft keine Beschriftung, sondern die einzelnen Balken werden nach ihrer Farbe den mit der entsprechender Farbe gekennzeichneten Punkten in der Legende zugeordnet.

Wenn also der Besucher mit einer Farbsehschwäche die Farben der Balken eines Diagramms nicht unterscheiden kann, so kann er die Balken auch nicht dem jeweiligen Punkt in der Legende zuordnen. Damit ist ein derartig gestaltetes Diagramm für einen Betroffenen mit einer Farbsehschwäche schlicht unbrauchbar.

Oder betrachten wir als weiteres Beispiel eine Landkarte auf der bestimmte Gebiete farblich markiert sind, aber diese Gebiete nicht beschriftet sind, sondern in einer Legende erläutert werden. Wenn diese Flächen nur durch den entsprechenden Farbcode identifiziert und der Legende zugeordnet werden können, ist das für Menschen mit Farbsehschwäche problematisch.

In solchen Fällen ist es zweckmäßig die Farbcodierung noch mit einem zweiten, farbunabhängigen Codierungsschema zu versehen. Zum Beispiel können Flächen mit verschiedenen Arten der Schraffierung – quer, längs, diagonal, mit dicken Striche, mit dünnen Strichen usw. – versehen werden. Oder die Fläche kann gepunktet, mit kleinen Quadraten, Sternen, Dreiecken, allen möglichen Formen getupft werden. Variationen gibt es sicherlich genug.

Ein anderer Ansatz besteht darin Farben zu verwenden, die alle Betroffenen, egal welche der Farbsehschwächen sie haben, auseinander halten können. Dazu geeignete Farben wären verschiedene Gelb- und Brauntöne. Rot, Grün und Blau müssten vermieden werden, da diese Farben je nach Farbsehschwäche Schwierigkeiten mit deren Wahrnehmung verursachen.

Menschen mit einer Farbsehschwäche sind in der Regel daran gewöhnt, Objekte eher nach ihrer Musterung, Stuktur oder nach anderen Kriterien, wie zum Beispiel ihrem Hell-Dunkel-Kontrast, zu unterscheiden als durch ihre Farbgebung. Diesen Menschen wird auch von verschiedenen Seiten nachgesagt, dass sie Grauabstufungen besser unterscheiden können als Menschen mit einer normalen Farbsichtigkeit.

Fazit:

Wichtig für die Gestaltung einer Webseite ist Folgendes: Objekte oder Funktionen die zwingend unterschieden werden müssen um die Seite bedienen oder eine Aufgabe lösen zu können, sollten nicht nur allein durch ihre Farbgebung eine Bedeutung erhalten, sondern zusätzlich mit einem farbunabhängiges Codierungsschema versehen werden.

Auf diese Weise ist die Usability der Website auch für User mit einer Farbsehschwäche gegeben – wie gesagt, das ist statistisch fast jeder zehnte potentielle Besucher.

About The Author

Diana Ludwig

Webdesignerin, Pinselschwingerin, Bloggerin und Studentin der Medieninformatik. Mein Steckenpferd ist das freie Open Source 3D Programm Blender, über das ich auf Blender-Tutorial schreibe. Du findest mich auch auf Google+ oder abonniere unseren RSS-Feed.

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